Köln: Anpassungsbemühungen
Weitschweifig holt Chronist Gerrit Jansen in spießiger Buchhalter-Kluft vor dem großen Bühnenkarton aus, um die Wurzeln von Parzivals Menschwerdung zu klären. Ausgiebig werden die rastlosen Abenteuer seines flatterhaften Vaters Gahmuret erzählt, den es stets von den Frauen weg- trieb, ehe noch die Kinder geboren wurden. Erst nach und nach illustrieren leicht bewegte Standbilder den spröden Vortrag: Hier ein zurückhaltender Auftritt von Herzeloyde im weißen Kleid, die ihren Kleinen von allem Rittertum fernhalten will und liebevoll bis übergriffig zum tumben Naturkind erzieht.
Da ein Parzival, der in Windelhöschen wie Mowgli im Dschungel geschmeidig die Szenerie umrundet. Marek Harloff fängt Naivität und Neugier riesenbabyhaft überzeugend ein.
Die Welt ist zunächst ganz seine Perspektive: Simeon Meiers giftgrün vernebelter Bühnenquader öffnet sich immer nur so weit, dass man Parzival auf allen Vieren und seine meist vor ihm kniende Mutter sehen kann, der Melanie Kretschmann schöne melancholische Schmerzmomente verleiht. Von den Rittern, die Parzival trotz Mutter-Gefängnis so elektrisieren, erblickt man zunächst nur Beine in feinem Anzugstoff. Als Parzival den roten Ritter tötet, ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Was passiert eigentlich, wenn das Universum zu einem spricht? Handelt es sich dabei um «eine Art farbiges Muster, als würde ein fremdartiges Bewusstsein Kontakt aufnehmen», verknüpft mit einer sanften Frauenstimme, die der menschlichen Sprache durchaus mächtig ist? Ein «blauer Punkt im Inneren», mit dem freundliche Gespräche möglich sind, in denen das Universum...
Fritz Kater schlägt in seinem neuen Stück «Buch (5 Ingredientes de la Vida)» den ganz großen Bogen vom Amerika der Nachkriegszeit in die Gegenwart der alten Utopien: der Stückabdruck und die Uraufführung in München
Tadeusz Kantor, vor 100 Jahren geboren, hat mit seinem «Theater des Todes» osteuropäische Rätselwelten des 20. Jahrhunderts geschaffen.
Was sie...
Gott heißt Otto und schläft im Nebenzimmer. Gemeinsam mit seiner Frau Anna (Margarethe Tiesel) betreibt er eine Pension mit vier Dauermietern. Der pensionierte Literaturprofessor Ewgenij Goldwasser (Steffen Höld) wohnt hier, die daueralkoholisierte Kneipenmusikerin Gratsche (Myriam Schröder), die Grundschullehrerin Matuschka (Nicola Kirsch) und der Angestellte Paul...
