Die Gesetze des gemeinsamen Erscheinens

Das Verhältnis von Theater und Politik wird neu gedacht

Terry, die Performerin mit den langen, etwas zersaust wirkenden Haaren, setzt ihre Worte in ihrem ganz eigenen Rhythmus, mit Bedacht, ein wenig schleppend: «Eine gute Geschichte braucht einen guten Anfang, Charaktere, Vorbilder, beste Freunde, Feinde, Überraschungen …» Die Aufzählung zieht sich in die Länge. Während Terry spricht, macht sich unter den fünf anderen Performern eine gewisse Unruhe breit. Zumindest geben sie das zu verstehen: Einer kratzt sich an der Nase. Einer tritt etwas unruhig von einem Bein aufs andere. Einer schaut ein wenig betreten zur Seite.

Die drei Männer und zwei Frauen warten darauf, dass der lange, jetzt schon etwas zu lange Monolog über das, was «eine gute Geschichte» braucht, endlich enden möge. Doch Terry kommt gerade erst in Fahrt: «Wird sich der an der Klippe hängende Kletterer halten können? Wird sich das Kind, das an der Klippe hängt, dort festhalten können?»

Es dauert lange, bis einer der fünf Performer Terry endlich unterbricht und von der Qual, weiterreden zu müssen, erlöst. Nun geht es Schlag auf Schlag. Neue Geschichten werden erzählt – absurde, traurige, furchtbare, und vor allem solche mit komplizierten Verwicklungen. «Das erinnert mich an ...

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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Theorie, Seite 38
von Nikolaus Müller-Schöll

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