Die Trauer glanzvoll gestalten
Genet wusste sehr genau zu unterscheiden. Er sei «ein Mann der Revolte», gab er Hubert Fichte 1976, zehn Jahre vor seinem Tod, zu Protokoll, keineswegs der Revolution. «Wenn eine wirkliche Revolution stattfände, könnte ich nicht dagegen sein. (...) Ich möchte, dass die Welt sich nicht verändert, damit ich mir erlauben kann, gegen die Welt zu sein.» Er hätte auch sagen können: Mich interessiert nicht die Realität, mich interessieren Erotik, Energie und Attitüde des Widerstands: das Spiel, der Traum, die Konstruktion gegen die Zumutungen der Realität.
Nur im Spiel, in der Literatur, auf dem Theater konnte der schwule Ex-Kleinkriminelle Genet, der sich mit Unterstützung von Jean Cocteau und Jean-Paul Sartre aus dem Knast herausschrieb, zum Mörder werden und zum Rächer der Außenseiter und Enterbten, vom Dienstboten bis zum «Neger», zu denen er sich emphatisch auch noch zählte, als er längst weltberühmt war. Die literarisch höchst ergiebige Outcast-Position trieb er in einen Sprachrausch zwischen Bordell-, Knast- und pathetisch aufgeladener Hochsprache.
In der Alptraum-Röhre
Stefan Pucher hat diese Selbstauskunft Genets konsequent zur Grundlage seiner Inszenierung der «Zofen» an den ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 30
von Barbara Burckhardt: Stefan Pucher, Genet
Gott ist nicht tot. Nur einfach nicht da. Stattdessen ragt ein Kran von einer mehrstöckigen Plattform krakenhaft ins Nirgendwo. Das Studierzimmer: eine Schmuddelecke mit Waschbecken, und auch sonst hat sich einiges verändert im meistzitierten deutschen Drama, und das mit Recht, versteht sich, «denn alles, was entsteht/Ist wert, dass es zugrunde geht …» etc. pp....
Man kann die Geschichte kurz oder lang erzählen. In der Kurzform ist sie relativ einfach. Mathias Brodkorb, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, hat ein Gutachten zur Theaterstruktur in Auftrag gegeben und möchte auf dieser Grundlage das Theater Vorpommern mit Sitz in Greifswald und Stralsund und die Theater und Orchester...
2.8./Samstag
19.30, ZDF: Theater: Ein Fest! Theater-der-Welt-Festival in Mannheim unter der Leitung von Matthias Lilienthal. Nina Sonnenberg spricht mit Philippe Quesne und Gob Squad u.a. (siehe auch die Seiten 6–13 in diesem Heft)
7.8./Donnerstag
21.45, arte: Schiffbruch mit verrückter Hoffnung Theaterfilm von Ariane Mnouchkine nach Jules Verne, mit Eve Doe-Bruce,...
