Die Schöne und das Biest
Als Elisabeth Trissenaar und Hans Neuenfels Anfang der Achtziger, damals schon seit bald zwanzig Jahren ein Künstlerlebenspaar, ans Westberliner Schillertheater kamen, eroberte «die Trissenaar» die schaubühnenverwöhnte Mauerstadt mit einer überrumpelnden Doppelgesichtigkeit: als weißgewandete und traumschön gelockte Iphigenie samt edlem Gesten- und Mienenrepertoire; und als unbezähmt blutrünstige und wildmähnige Penthesilea samt Mordgeschrei im rasendweit geöffneten Mund.
Es folgte, wieder ein krasser Kontrast, ihre großbürgerlich abgründige Regine in Robert Musils filigranem, fast ungespieltem und unspielbarem Gedankendrama «Die Schwärmer». Regie führte immer, wie in fast sechzig Theater- und Ehejahren und in schließlich wohl siebzig gemeinsamen Produktionen, Hans Neuenfels, ehedem raubauziger Regie-Rebell und später Klassiker zu Lebzeiten.
Eine solch weitgespannte, gelegentlich auch überspannte darstellerische Bandbreite war selten. Eine Denkspielerin, intellektuell gestählt durch die dramaturgischen und politischen Diskussionen des Frankfurter Mitbestimmungstheaters in den Siebzigern. Und doch auch eine gefühlssatte, Katharsis beflügelnde Vollbluttragödin, moderiert nur vom ...
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Theater heute März 2024
Rubrik: Nachruf, Seite 38
von Michael Merschmeier
Ivan Stanev hat das Theater nicht verlassen. Wenige Tage vor seinem Tod erreichte ihn die Nachricht, dass sein erster und letzter auf 35-mm-Material gedrehter Film «Moon Lake» den Großen Preis des Cínemistica Festivals 2023 in Granada gewonnen hat. Es stand unter dem Titel «Espejos de amor». Wie so oft versammelte auch hier Stanevs Brennspiegel visuelle...
Kurz vor der Premiere lief auf «Arte» eine Reportage über den Exodus senegalesischer Fischer. Jeder fünfte Einwohner Senegals lebte einst von der Fischerei. Seit vielen Jahren wird ihnen ihre Einkommensquelle von Trawlern der EU und Chinas weggefischt. Cash-for-Fish-Abkommen mit der Regierung Senegals machen es möglich. Den Fischern und ihren hungernden Familien...
Drei Romane – drei Weltentwürfe, zwei davon fast parallel vor hundert Jahren im Echoraum des Ersten Weltkriegs entstanden, der dritte erst 2023 und um den sozialen Kahlschlag von den 1980ern bis heute kreisend, haben im Februar (ganz unabhängig voneinander) den Weg auf die drei großen Münchner Schauspielbühnen gefunden. Am Volkstheater startete Claudia Bossard mit...
