Die Schöne und das Biest
Als Elisabeth Trissenaar und Hans Neuenfels Anfang der Achtziger, damals schon seit bald zwanzig Jahren ein Künstlerlebenspaar, ans Westberliner Schillertheater kamen, eroberte «die Trissenaar» die schaubühnenverwöhnte Mauerstadt mit einer überrumpelnden Doppelgesichtigkeit: als weißgewandete und traumschön gelockte Iphigenie samt edlem Gesten- und Mienenrepertoire; und als unbezähmt blutrünstige und wildmähnige Penthesilea samt Mordgeschrei im rasendweit geöffneten Mund.
Es folgte, wieder ein krasser Kontrast, ihre großbürgerlich abgründige Regine in Robert Musils filigranem, fast ungespieltem und unspielbarem Gedankendrama «Die Schwärmer». Regie führte immer, wie in fast sechzig Theater- und Ehejahren und in schließlich wohl siebzig gemeinsamen Produktionen, Hans Neuenfels, ehedem raubauziger Regie-Rebell und später Klassiker zu Lebzeiten.
Eine solch weitgespannte, gelegentlich auch überspannte darstellerische Bandbreite war selten. Eine Denkspielerin, intellektuell gestählt durch die dramaturgischen und politischen Diskussionen des Frankfurter Mitbestimmungstheaters in den Siebzigern. Und doch auch eine gefühlssatte, Katharsis beflügelnde Vollbluttragödin, moderiert nur vom ...
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Theater heute März 2024
Rubrik: Nachruf, Seite 38
von Michael Merschmeier
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
10. Weiler, Eingeschlossene Gesellschaft
R. Anja Junski
AACHEN, THEATER
22. Tarnóczi und Ensemble, nach Platon, Das Gastmahl (U)
R. Jakab Tarnóczi
30. Dlé, House of Karls (Ein gar ergetzliches Rap-Spectaculum über Karl den Großen (U)
R. Florian Hertweck
AALEN, THEATER
2. Ibsen, Nora (oder ein Puppenheim)
R. Tonio Kleinknecht
20. McKee,...
Wie viele Tatbestände und Stimmungslagen lassen sich mit der Silbe «eke» ausdrücken? Mareike Beykirch bringt es auf gefühlte fünfhundert – in fünf Minuten wohlgemerkt. In Claudia Bauers Kurt-Schwitters-Abend «Ursonate» am Deutschen Theater Berlin bestreitet sie eine komplette Szene ausschließlich mit dieser Lautverbindung. Lässig fällt sie vom konstatierenden ins...
Luis Buñuel entlarvte in seinen surrealistischen Filmen oft die bürgerliche Klasse, ihre Konventionen und ihre Selbstbezogenheit. Sein «Würgeengel» von 1962 ist bereits die zweite Bühnenadaption eines Buñuel-Films der Regisseurin Claudia Bauer. Wie bereits 2022 («Der diskrete Charme der Bourgeoisie») inszeniert sie eine Bühnenbearbeitung von PeterLicht und SE...
