Die Friedensverwöhnten
«Ich erinner’ mich nicht gern – an – schlimme Dinge, schlimme Dinge, schlimme Dinge …», hallt es durch den Giebelsaal. Im Dachgeschoss des Historischen Museums durchmisst ein sechsköpfiger Chor junger Erwachsener die Ausstellung, eilt zwischen herabhängenden Leinwänden, Tischen, Mobiliar hindurch.
Fotos, Transparente und Audiospuren erinnern beispielsweise an antifaschistische Aktionen von Eintracht Frankfurt, an «Die Freundin – the ideal friendship maga -zine», ein Magazin über lesbisches Leben, das von 1924 bis 1933 erschien, und an den Klassiker der schwarzen Pädagogik, Johanna Haarers «Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind».
Für «Erinnern verändern. Fragile Verbindun - gen #3» haben sich die Performer:innen des Jun -gen Schauspiels vom Schauspiel Frankfurt damit ausein -andergesetzt, wie Erinnerung wirkt – über Generationenund Ländergrenzen hinweg. Ausgangspunkt ihrer Ausein -andersetzung: Die Ausstellung «Spurensuche im Heute», in der 38 Frankfurter:innen Dinge, Orte oder Situatio -nen thematisieren, die heute noch Verbindungen zum NS-Regime schaffen. Ayse Alatas, Joel Brahm, Jonas Garnatz, Jared Afework Gebru, Livia Jarnagin, Svenja Kaiser und Louis Umbach haben diese ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Esther Boldt
Der Hamburger Hansaplatz ist einer jener Orte, an denen die großstädtischen Widersprüche ungebremst aufeinanderprallen. Zentral im Viertel St. Georg gelegen, nur ein paar Schritte hinter dem Deutschen Schauspielhaus, hat sich der 1878 angelegte Platz zum Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt, mit offenem Drogenhandel, Trinker -szene und Sexarbeit. Andererseits grenzt...
«Drogenabhängige sind die besten Schauspieler. Das sagen dir alle. Die spielen dir vor, was du willst», heißt es relativ am Anfang des Stücks. Und dann stehen da drei Schau -spieler:innen, Jenny Weichert, Gerd Zinck und Paul Trempnau, und spielen Drogenabhängige. Nein. Anders. Sie diskutieren darüber, distanzieren sich bewusst vom Spiel, streiten über Egoismus und...
Über viele Jahre konnte die rechtsradikale Terror -zelle NSU Mitbürger:innen ausländischer Herkunft ermorden, ohne überführt zu werden. Grund dafür: Der Verfassungsschutz ermittelte beharrlich in die falsche Richtung. Einen rechtsextremen Hintergrund der Taten schloss er aus und versteifte sich auf organisierte ausländische Kriminalität. Aufklärung über diese...
