Die Ersten und die Letzten

Corona legt Bruchlinien frei, die im hochtourig laufenden Betrieb überspielt wurden

Theater heute - Logo

Der Berliner Kultursenator machte den Bühnen kurz vor Ostern schon mal Mut: «Kulturbetriebe waren die Ersten, die schließen mussten», sagte Klaus Lederer, «und werden vermutlich die Letzten sein, die wieder öffnen.» Wie lange es tatsächlich noch dauern wird, bis Theater wieder zu einem halbwegs geregelten Spielbetrieb zurückkehren können, ist derzeit noch unklar. Fest steht allerdings, dass die Corona-Krise an mindestens drei Stellen die Bruchlinien unseres Gemeinwesens und Theatersystems kompromisslos aufdeckt.

Während menschliche Nähe und soziale Gemeinschaft vom Virus bestraft werden, funktionieren der gute alte Nationalstaat und vor allem seine Grenzen so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Eine doppelte Krise der Gemeinschaft ist ausgebrochen. Sie behindert einerseits unmittelbare – nicht nur theatrale – Diskurs- und Diskussionskontakte, forciert andererseits alte/neue Einreisesperren, Reiseverbote und nationale Abschottung. Dabei werden nicht nur Grenzen wieder geschlossen, die man schon vergessen hatte, auch europäische Solidarität muss warten. 

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat ja nicht unrecht, wenn er im Streit um gemeinschaftliche Euro-Anleihen mit Blick ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2020
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Gaming: Jam-Session für Nerds

Sechs Augenpaare starren gebannt auf eine verlebte Küchenzeile. Vorsichtig öffnet eine Besucherin die erste Tür des Hängeschranks – nichts passiert. Tür zwei – nichts passiert. Tür drei – aaaaah! Aus dem Laptop, der zwischen Kabeln und Konzeptpapieren auf dem Küchentisch steht, erklingt plötzlich Partymusik. Und in der digitalen Nachbildung der Küchenzeile, die auf...

Fragmentierte Intimität

Antú Romero Nunes’ «Ode an die Frei­heit» ist: ein Film. Eigentlich hatte das Hamburger Thalia Theater ein Mashup dreier politischer Schiller-Stücke geplant, ein Plan, den allerdings die Corona-bedingten Theaterschließungen verhindert haben. Weswegen der Regisseur die Proben kurz vor der Premiere Ende März abbricht und auf eine mehrteilige Verfilmung des Stoffs...

Thomas Melle: DIE LAGE

Personen

PERSONEN
in
WOHNUNGEN
an
ORTEN
zu
ZEITEN 

  

Texte in durchgehenden Majuskeln zeigen einen CHOR an.
Mit jeder neuen Szene (und eigentlich immer) können die Sprecher wechseln,
unabhängig von der Positionierung im Text.

VORSPIEL IM PARTERRRE 

1

Hey, setz dich. Wir haben dich wegen deiner Mail ausgesucht, die hat herausgestochen. Oder «ist», «ist...