Detmold: Im Nebel
Bittersüße Melancholie und traumgleich verschobene Wahrnehmung – der Titel von Henriette Dushes bereits 2011 entstandener «Bühnenelegie» (ausgezeichnet mit dem Grabbe-Preis und dem Lenz-Preis für Dramatik) setzt zweifellos poetische Assoziationen frei. «Drei Spielerinnen» und einen «Männerchor von drei Stimmen» führt Dushe in diesem «dichten Birkenwald» zusammen, um ihn allerdings alsbald von den Männern mit der Axt zerlegen zu lassen. Denn auch die Leben der sich hier Versammelnden sind allesamt zerborsten.
Bruchstückhaft berichten sie von Alltagssituationen, kleinen unspektakulären Momenten, in denen sich ihre «Existenz Stück für Stück aufzulösen begann».
Ein Mann erkennt plötzlich seine Kinder nicht mehr, ein anderer kann das Büro nicht mehr betreten, eine Frau erzählt von einer Beziehungskrise, die irgendwie mit einer Autofahrt und viel Übelkeit zu tun hatte. Manchmal klagt man auch in Kleingruppen: Die Frauen über das fehlende Geld («War immer alles zu knapp und viel zu wenig») und die Männer darüber, dass sie es nur bis zum Reihenhaus gebracht haben («das bleibt immer nur der Spatz, das ist ein Piepmatz, so ein Reihenhaus»). Trotz der Kunstfertigkeit, mit der Dushe die ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Natalie Bloch
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