Der Sprachschrotthändler

Werner Schwab spricht – gesammelte Einsichten des ersten Seriendramatikers

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Erinnert sich noch jemand an Werner Schwab? Den Grazer Radikaldramatiker Anfang der Neunziger, der wie Phönix aus der steirischen Asche stieg, in drei Jahren anderthalb Dutzend Stücke schrieb und sich in der Silvesternacht 1994 35-jährig zu Tode trank? Gelegentlich stehen noch seine «Präsidentinnen» auf einem Spielplan als unkaputtbare Klokomödie mit drei wortstarken Sanitärhexen. Ansonsten ist Grabesruhe eingekehrt.

Sehr schade.

Denn dieser Werner Schwab wäre mehr als nur der Erinnerung wert, wie der gerade im Droschl-Verlag erschienene Band mit gesammelten Interviews und ein paar verstreuten Essays zeigt. Der Sohn einer alleinerziehenden, tiefreligiösen Hausmeisterin wuchs unter schwierigen Verhältnissen auf und erzählte später noch eindrucksvoll vom «steinharten» Grazer Pflaster seiner Kindheit, hatte aber für das auf solche Fälle spezialisierte kritische Volksstück nur Verachtung übrig. Auf Peter Turrini und die «liebevolle Hinwendung zur Unterschicht» war er nicht gut zu sprechen, denn diese «Unterschicht», die er bestens kannte, fand er nicht unbedingt liebenswert. Als Haider und seine populistische FPÖ in Österreich Wahlerfolge einfuhr, meinte er nur: «Wenn ...

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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 55
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