Der moderate Radikale
Sein erstes Jahr im Ensemble des Deutschen Theaters Berlin, an das er direkt nach der Schauspielschule kam, war schon mal nicht schlecht. Neben kleineren und mittelgroßen Rollen bei Stephan Kimmig (Marie in «Clavigo», Lempereur in «Unterwerfung») oder Christopher Rüping (Benvolio in «Romeo und Julia») hatte Marcel Kohler in Daniela Löffners Inszenierung «Väter und Söhne» seine erste größere Rolle, den Studenten und selbsternannten Nihilisten Arkadij.
Die Aufführung wurde zum Theatertreffen eingeladen und Kohler am Ende des Festivals prompt mit dem «Alfred-Kerr-Darstellerpreis für die beste Leistung eines jungen Schauspielers» ausgezeichnet. Dass er jetzt zum Nachwuchsschauspieler des Jahres gewählt wurde, kommt nicht unbedingt überraschend und dürfte ihn zwar freuen, aber auch nicht in narzisstische Räusche versetzen. Davor, derlei Auszeichnungen zu überschätzen, schützt schon historisches Bewusstsein – bei Marcel Kohler zum Beispiel in Form dicker Stapel alter «Theater heute»-Jahrgänge vergangener Jahrzehnte, die er irgendwann geschenkt bekommen hat und jetzt interessiert querliest.
Marcel Kohler, 1991 in Mainz geboren, 25 Jahre jung, sitzt in einem Kreuzberger Biergarten. Er ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Nachwuchs des Jahres, Seite 88
von Peter Laudenbach
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