Der ideale Staat
Die offenen Gesellschaften mit ihren liberalen Demokratien haben es derzeit nicht leicht. Überall sprießen neue Nationalismen, schließen sich Grenzen, blüht latente bis unverstellte Fremdenfeindlichkeit. Und die freie Marktwirtschaft bereitet ebenfalls schlaflose Nächte: Neoliberalismus und Globalisierung sorgen für gnadenlose Konkurrenzgesellschaften, soziale Ungleichgewichte und Klimakatastrophen.
Aber wie stellen wir uns eigentlich einen idealen Staat vor? Mit oder ohne Grenzen? Kapitalistisch, sozialistisch oder anarchistisch? Basisdemokratisch oder besser elitengelenkt? Idealistisch oder eher technokratisch? Gewaltengeteilt und institutionengebremst oder lieber als entscheidungsfreudige Meinungsdiktatur?
Wir haben 15 Theaterleute um einen neuen Gesellschaftsvertrag gebeten. Zwei, drei Manuskriptblätter zu Regierungsform, Wirtschaft, zentralen Werten, Normen und Zielen des nationalen oder übernationalen Zusammenlebens. Wie sähe ihr idealer Staat aus, konzentriert auf das Wesentliche? Die Fotos von Franziska Taffelt begleiten dieses Jahrbuch. Sie hat sich an öffentlichen Orten umgesehen, an denen der Staat Präsenz zeigt: Gibt es das ideale Amt?
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 4
von
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Es reden: ein Kabinettsleiter, eine Forscherin, ein Soldat, alle noch relativ jung. Die Menschen, mit denen die drei Figuren aus Alexandra Badeas neuem Stück «Extremophil» in Dialog treten, sind sie selber: Sie sagen Du zu sich. Vielleicht, weil von sich zu sprechen voraussetzen würde, dass sie eins wären mit sich (was sie definitiv nicht sind). Vielleicht, weil...
Eines unserer abendlichen Bettkantengespräche eröffnete mein zehnjähriger Sohn mit dem Geständnis, er verstehe die Politiker nicht. Unsere Gesellschaft fuße doch auf drei Stämmen: der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Gewaltfreiheit? Die Politiker jedoch diskutierten in Begriffen, die sich weit von diesen Grundbegriffen entfernt zu haben schienen – Lenz...
