Foto: Reinhard Werner
6000er-Besteigung mit freiem Fall
Der mitteljunge Mann, der da in gediegenem Ganzkörperbeige unruhig an der Rampe auf und ab schreitet, sieht zwar nicht direkt freundlich aus. Aber mit einem derartigen Frontalangriff auf ihr bis dato grundstabiles Zuschauer-Ego hatte die Parkett-Belegschaft des Wiener Akademietheaters vermutlich nicht gerechnet. Hier hocke ja eine personifizierte «Sackgasse» neben der anderen, ätzt Joachim Meyerhoff etwa in der Mitte seines Thomas-Melle-Solos «Die Welt im Rücken» von der Bühne herunter, während er dezidiert schonungsfreien Auges die erste Reihe scannt.
Und weiter hinten werde es – gnadenlos sezierender Panoramablick – naturgemäß noch trostloser.
Die Angesprochenen versuchen – wie man das eben konventionellermaßen tut, wenn dramatische Provokationen durch die vierte Wand fliegen –, leicht verdruckst über die Situation hinwegzulachen. Meyerhoff ist allerdings noch längst nicht fertig. Genau genommen fängt er gerade erst an – indem er mit vital wachsendem Sarkasmus von der Kollektiv- zur Individualattacke übergeht: «Dass Sie in Ihrem Alter immer noch glauben, wenn’s glitzert, ist es teuer, ist ein bisschen armselig, oder?», ranzt er eine Mittsechzigerin an, die sich tapfer lächelnd ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Schauspieler*innen des Jahres, Seite 92
von Christine Wahl
der ideale staat ist kein staat, also keine gesellschaftsordnung, bei der einer bestimmten gruppe eine privilegierte stellung zukommt; sondern eine gemeinschaft gleichberechtigter idealisten ohne hierarchien und herrschaft.
die gesellschaft
alle menschen sind sich der abhängigkeit voneinander und von einer funktionierenden umwelt bewusst. um das zu erreichen, ist...
Auf der ersten Seite birgt dieser Text gleich ein poetisches Rätsel: «Das hässliche Universum». Kann das Universum hässlich sein? Oder wessen «Universum» wird hier gebasht? Sprechende, fast singende Titel tragen Laura Naumanns Werke, wie «demut vor deinen taten baby», «Manchmal hat die Liebe regiert und manchmal einfach niemand» oder «Zwischen den Dingen sind wir...
Offenbar ist es so gut wie aussichtslos, Michael Wächter in einer Denkpause zu erwischen. Der Mann, seit Herbst 2015 Ensemblemitglied am Theater Basel, weiß einfach auf alles eine Antwort, zumindest einem dahergelaufenen Journalisten gegenüber. Das Angenehme daran ist, dass diese Antworten aus lauter sonnenklaren Sätzen bestehen, aus wachen Bemerkungen, spontanen...
