Der dressierte Mensch
Von wegen geschundene Kreatur und expressiver Leidensmann. Steven Scharf ist als Woyzeck nicht nur ein Baum von einem Mann, er hat auch so gar nichts Unterwürfiges. In den ersten 20 Minuten zerlegt er mit beeindruckender körperlicher Präsenz erst einmal in aller Ruhe die Bühne. Er reißt das rot-weiß-gestreifte Zelt herunter, das aus dem Wiener Akademietheater eine ärmliche Zirkusarena (von Stéphane Laimé) macht – und freut sich diebisch an dem fiesen Geräusch der Klettverschlüsse und wie die Planen lautstark zu Boden krachen.
Dann nimmt er sich die Stahlträger und Gitterstäbe vor, die durch die Luft wirbeln. Keine Frage: Es brodelt in dem Mann. Geschmeidig wie ein Raubtier streift er über die Bühne, mit großen melancholischen Augen blickt er um sich – und in sich. Als würde er ständig selbst staunen, was ihm da alles zustößt.
Bereits zum dritten Mal hat sich der Niederländer Johan Simons Büchners berühmtes Fragment «Woyzeck» vorgenommen, um es ordentlich gegen den Strich zu bürsten. Er vergleicht das Stück im Burgtheater-Magazin mit der Musik von Bach, die sich zwischen Himmel und Erde aufbäume: «Es ist ein Stück des Scheiterns. Nicht nur bei Woyzeck, sondern auch bei all den ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Karin Cerny
Neue Stücke
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