Den Tod bescheißen
Der alte weiße, dazu noch amerikanische Mann, Hochrisiko per se, ist in diesen Zeiten der stacheligen Teilchen, die unser Leben auf nie gekannte Weise lahmlegen, noch schwerer zu ertragen als sonst. Insbesondere in Gestalt des karikaturesken Inbegriffs dieser gerne toxisch genannten Männlichkeit, die gerade Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Jenes Landes, dessen Streaming-Dienste uns allerdings zur Zeit mit manch köstlichem Futter versorgen, um die Lockdown-bedingte kulturelle Ödnis ein bisschen zu beleben.
Zumal ein Blick in diese Ecke auch das so tröstliche wie saukomische Gegenbild entwirft zum selbsternannt allmächtigen Mann mit der Föhnwelle, dessen Namen wir nicht nennen wollen und zu dessen Fans seit neuestem auch ein deutscher älterer weißer Mann namens Castorf zählt.
Die Rede ist von der Kominsky-Methode. «The Kominsky Method» ist der nicht ganz demütige Titel einer Netflix-Serie mit nunmehr zwei Staffeln, 16 Folgen à 30 Minuten, um die Männerfreundschaft des alternden Schauspielers Sandy Kominsky, bravourös bockig und umwerfend charmant gespielt vom mittlerweile 75-jährigen Michael Douglas («Wall Street»), und seines Agenten Norman Newlander, der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2020
Rubrik: In Quarantäne, Seite 54
von Barbara Burckhardt
Am 26. Februar, dem Tag der Premiere unserer Show «The West» an der Berliner Volksbühne, wurde auch der Patient Null in Mitte ausgerufen. Das geschah während der Berlinale, die Stadt war voll mit internationalen Gästen. Ein paar Tage später zeigte sich die Angst vor Ansteckung bereits bei den Ticketverkäufen: Die meisten Veranstaltungen waren leer. Wir hatten noch...
Sechs Augenpaare starren gebannt auf eine verlebte Küchenzeile. Vorsichtig öffnet eine Besucherin die erste Tür des Hängeschranks – nichts passiert. Tür zwei – nichts passiert. Tür drei – aaaaah! Aus dem Laptop, der zwischen Kabeln und Konzeptpapieren auf dem Küchentisch steht, erklingt plötzlich Partymusik. Und in der digitalen Nachbildung der Küchenzeile, die auf...
Der Berliner Kultursenator machte den Bühnen kurz vor Ostern schon mal Mut: «Kulturbetriebe waren die Ersten, die schließen mussten», sagte Klaus Lederer, «und werden vermutlich die Letzten sein, die wieder öffnen.» Wie lange es tatsächlich noch dauern wird, bis Theater wieder zu einem halbwegs geregelten Spielbetrieb zurückkehren können, ist derzeit noch unklar....
