Das Terrazzo- Mosaik
Einen «autobiografischen Roman» nennt Samuel Finzi «Samuels Buch», sein Buch, die Coming-of-Age-Geschichte eines der beliebtesten und meistbeschäftigten Theater- und Filmschauspieler im deutschsprachigen Raum. Vielleicht wäre «Terrazzo-Mosaik» ein noch besserer Untertitel gewesen.
Denn es ist der Terrazzo-Boden in seiner Berliner Küche, der ihn zum Terrazzo-Boden auf der Terrasse seiner Großeltern im bulgarischen Plovdiv führt und der zum Symbol wird für den Vorgang des
Erinnerns, in dem wie die Terrazzosteinchen alles seine «eigene Wichtigkeit hat, unabhängig von der Größe und Intensität der Farbe». Und so fügen sich in Finzis Puzzle Gerüche und Geräusche neben Ausflüge in die bulgarische Geschichte, Begegnungen und Anekdoten. Die Kinderfüße auf dem warmen Boden sind so wichtig wie der erste große Auftritt auf der Zugfahrt mit der Großmutter, wenn der fünfjährige Sancho den bulgarischen Staatschef Schiwkow und Breschnew, die sich auf allgegenwärtigen Pla -katen küssen, als furzende Raketen dreimal um die Erde fliegen lässt – keine ungefährliche Performance im sozialistischen Bulgarien. Er findet sich unglaublich komisch, keiner lacht.
Der Jungperformer ist das einzige Kind eines ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Barbara Burckhardt
Als Schauspielerin ist Maria Happel, 60, die Stimmungskanone des Burgtheaters. Wenn sie auftritt, gibt es viel zu lachen. Konsequenterweise steht sie dabei meist direkt an der Rampe und schleudert eine Wuchtel nach der anderen in den dankbaren Zuschauerraum. Happels Status als Wiener Publikumsliebling ist ungebrochen – obwohl sie gebürtige Deutsche ist. Zugleich...
Thees Uhlmanns 2015 erschienener Roman «Sophia, der Tod und ich» schrie mit seinen zugespitzten Dialogen geradezu nach einer Umsetzung auf Bühne und Leinwand. Die Theater begriffen das schnell. Das Schauspiel Essen war 2017 als erstes am Start (und eine Publikumsumfrage über die beliebtesten Stücke der letzten 20 Jahre wählte das Stück in die Top Ten), das...
Das Leben ist ein Fest, und die schönste Rolle, die man dabei spielen kann, ist die der Gastgeberin. Das strahlt in vergnügtester Weise Wiebke Puls aus, wenn sie zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung durchs Foyer der Münchner Kammerspiele schwebt – im schulterfreien, ausladenden Ballkleid, weiße Blüten auf schwarzem Grund, mit einem Kasten Bier auf der Schulter...
