Am Beispiel der Mutter
Die sogenannte «Vorklinik» im Grazer Univiertel ist ein Geisterhaus. Das Gebäude aus dem Jahr 1976, das Teil der medizinischen Fakultät war, wird demnächst abgerissen. Zuvor aber kam noch einmal Leben in die verlassenen Räumlichkeiten: Im Rahmen des Dramatiker:innenfestivals, das vom Grazer Schauspielhaus und dem Verein Drama Forum alljährlich veranstaltet wird, fand hier Ende Juni das «Haus der Texte» statt.
Im Verlauf der insgesamt drei Stunden langen «Drama Walks» (Gesamtleitung Sandra Schüddekopf ) wurden in einem großen Hörsaal und in kleinen Nischen, in der Mensa und am Gang, live oder per VR-Brille Szenen aus den zehn Stücken gespielt, die für den diesjährigen Retzhofer Dramapreis nominiert sind.
Das Stationentheater in der Vorklinik war aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn der seit 20 Jahren vergebene Retzhofer Dramapreis hat mehr Tiefgang als vergleichbare Veranstaltungen. Die von Edith Draxl erfundene Kombination aus Stückewerkstatt und Autor:innenpreis ist auf ihre Art einzigartig. Zunächst einmal sind keine fertigen Stücke ausgeschrieben, sondern Exposés und zwei ausgeschriebene Szenen; aus den Einreichungen werden zwölf nominiert. (Diesmal gab es 123 Einreichungen, ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Wolfgang Kralicek
Ein Geist ist in sie gefahren. Eben noch war Boglárka Börcsök eine weißgekleidete Künstlerin, Choreografin und Tänzerin mit ungarischen Wurzeln, wohnhaft in Berlin. Inmitten einer ovalen Rauminstallation «Figuring Age», die Hände in Tüll gehüllt, stand sie da im Kunstraum K20 in Düsseldorf, Bett, Sofa, Sessel weiß bespannt, als seien sie seit langem verlassen. In...
Pläne der Redaktion
Sommerzeit, Festivalzeit: Neues aus Salzburg und Avignon, von Theater der Welt in Frankfurt/M., Kampnagel in Hamburg und dem Zürcher Theaterspektakel
Die ukrainische Autorin Natalia Vorozhbyt hat den Krieg in der Ukraine seit 2014 in ihren Stücken begleitet. Ihre Texte wurden in der Ukraine, Russland, Litauen, Polen, Großbritannien, Deutschland,...
Einen «autobiografischen Roman» nennt Samuel Finzi «Samuels Buch», sein Buch, die Coming-of-Age-Geschichte eines der beliebtesten und meistbeschäftigten Theater- und Filmschauspieler im deutschsprachigen Raum. Vielleicht wäre «Terrazzo-Mosaik» ein noch besserer Untertitel gewesen. Denn es ist der Terrazzo-Boden in seiner Berliner Küche, der ihn zum Terrazzo-Boden...
