Das Gießkannenprinzip
Eine Bugwelle postpandemischer Theatervorhaben flutet seit Monaten die Sitzungen der Fördergremien des Freien Theaters in Deutschland. Die gute Nachricht lautet: Die performativen Künste haben die Coronakrise überlebt. Klug gestrickte Hilfsprogramme des Bundes und der Länder haben viele Theaterschaffende unterstützt, die nicht durch stabile Strukturen in Stadt- und Staatstheatern getragen wurden. Das Vergabeverfahren nach dem Gießkannenprinzip wirkt großzügig. Doch es großzügig zu nennen, offenbart den gönnerhaften Zug des gesamten Systems.
Im Freien Theater hatte das Virus eine kuriose Nebenwirkung: Es hat kurzfristig Geld in das prekäre Fördersystem gepumpt. Plötzlich bekam die Szene, was sie sich immer gewünscht hatte: Zeit und Geld, um Projek -te mal gründlich vorzubereiten und ungezwungen nachzudenken über sich, das Theater und den Rest der Welt. All dies floss schließlich in jene Welle erstklassiger Projektanträge, die sich nun landauf, landab an den Förderinstrumenten bricht. Welches dieser Theatervorhaben im Jahr 1 nach Corona tatsächlich über eine Bühne vor ein Publikum schwappen wird, ist noch nicht überall entschieden. Sicher ist jetzt aber schon, dass ein Großteil ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Knappheit - alles auf Kante, Seite 25
von Jens Roselt
Am 24. Februar 2022 greift Russland das gesamte Territorium der Ukraine an. Es herrscht Krieg. Ein Krieg in Europa, sehr nah, sehr greifbar und sein Ausgang ungewiss. Gewiss ist aber, dass dieser Krieg unendliches Leid für die Menschen in der Ukraine bedeutet. Sie müssen in den Krieg ziehen, sie verlieren ihr Leben, sie verlieren ihre Familien, sie verlieren ihren...
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