Das Gießkannenprinzip

Die derzeitige Förderstruktur der Freien Szene ist bürokratisch, aufwendig und ineffizient – und muss dringend nachhaltiger werden Von Jens Roselt

Theater heute - Logo

Eine Bugwelle postpandemischer Theatervorhaben flutet seit Monaten die Sitzungen der Fördergremien des Freien Theaters in Deutschland. Die gute Nachricht lautet: Die performativen Künste haben die Coronakrise überlebt. Klug gestrickte Hilfsprogramme des Bundes und der Länder haben viele Theaterschaffende unterstützt, die nicht durch stabile Strukturen in Stadt- und Staatstheatern getragen wurden. Das Vergabeverfahren nach dem Gießkannenprinzip wirkt großzügig. Doch es großzügig zu nennen, offenbart den gönnerhaften Zug des gesamten Systems.

Im Freien Theater hatte das Virus eine kuriose Nebenwirkung: Es hat kurzfristig Geld in das prekäre Fördersystem gepumpt. Plötzlich bekam die Szene, was sie sich immer gewünscht hatte: Zeit und Geld, um Projek -te mal gründlich vorzubereiten und ungezwungen nachzudenken über sich, das Theater und den Rest der Welt. All dies floss schließlich in jene Welle erstklassiger Projektanträge, die sich nun landauf, landab an den Förderinstrumenten bricht. Welches dieser Theatervorhaben im Jahr 1 nach Corona tatsächlich über eine Bühne vor ein Publikum schwappen wird, ist noch nicht überall entschieden. Sicher ist jetzt aber schon, dass ein Großteil ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Knappheit - alles auf Kante, Seite 25
von Jens Roselt

Weitere Beiträge
Verzerrung der Wahrnehmung

Etwas sträubt sich in uns gegen die öffentliche Rede vom persönlichen Verzicht. Es erinnert an Kardinaltugenden, an die Mäßigung, die Platon insbesondere dem unteren Stand verordnet. (Die oberen Stände dürfen sich um Weisheit und Tapferkeit kümmern.) Soll wirklich jede:r bei sich selbst anfangen? Ist die Rede vom individuellen Verzicht nicht der unpolitische...

Uraufführungen 2023/23

Nora Abdel-Maksoud
Doping (Münchner Kammerspiele) 
Sina Ahlers
Sie sagen Täubchen, ich sag Taube (Landestheater Detmold) 
Emre Akal
Goldie (Schauspiel Leipzig) 
Sally Anger und Konstantin Küspert
Chemie bringt Brot, Wohlstand und Schönheit (AT) (Junges Nationaltheater Mannheim) 
Lola Arias
Happy Nights (Theater Bremen) 
Pavlo Arie, Martín Valdés-Stauber und...

Vater ans Licht!

Jedes Kind kennt Ödipus. Der bekannteste Vatermörder, Mutterliebhaber und Rätsel -löser aller Zeiten wird seit jeher in den unterschiedlichsten Disziplinen mit einem Höchstmaß an interpretatorischer und künstlerischer Aufmerksamkeit bedacht. Doch nicht so seine Eltern Laios und Iokaste. Insbesondere der Vater Laios, der in der Tragödie «Ödipus Tyrannos» von...