Creative Class
Wer einen satten Enthüllungs - roman aus der Berliner Theaterwelt erwartet hat mit Schlüsselloch-Indiskretionen und Kulissen-Geheimnissen, wird ein wenig enttäuscht sein von Olga Bachs «Kinder der Nacht». Zwar geht es ohne viel literarische Vertuschung bei den zentralen Figuren um lebende Vorbilder, bei Orhan um den Regisseur Ersan Mondtag, und hinter der Figur Irina versteckt sich eindeutig die debütierende Prosa-Schriftstellerin Bach.
Beide realen Figuren haben zusammen die Szene mächtig aufgemischt: Er als Regie-Shootingstar, sie als seine Autorin, von beiden stammen so spektakuläre und ausgezeichnete Bühnenarbeiten wie «Die Vernichtung» oder «Das Erbe».
«Kinder der Nacht» aber beschäftigt sich nur am Rande mit dem aktuellen Theaterbetrieb, auch wenn markante Orte auftauchen und leicht karikiert mal ein Claus Peymann, mal ein Frank Castorf kurz ein- und wieder abgeführt werden. Freilich: «In zehn Jahren werden die sterben. Wir sind die Zukunft. Wir müssen unsere eigene Festung bauen», sagt Orhan selbstbewusst. Und eine Vegard-Vinge-Performance dient als grenzerfahrungsreiches Experiment im Leben von ein paar kreativen jungen Leuten, die sich aber doch die meiste Zeit mit ihren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Bücher, Seite 49
von Bernd Noack
In Turnschuhen und weißem Kleid sitzt sie mit ihrem Vater am langen Tisch und gibt freche Widerworte. Pauline Gloger nimmt ihre Ophelia am Staatstheater Meiningen sehr frisch. Mit ihrem Schatz Hamlet (Yannick Fischer) sitzt sie in der Schauspielerszene wild flirtend und händchenhaltend als imaginierte letzte Reihe am Bühnenrand. Das ist der wahre Hingucker dieses...
Das schwindelerregende Verhältnis von Kunst und Terror hat schon vor gut zwanzig Jahren die Volksbühne auf einem sehr dünnen Seil tanzen lassen. Im Nachgang von 9/11 griff Dramaturg Carl Hegemann das Diktum des Komponisten Karlheinz Stockhausen auf, der den Al-Qaida-Angriff als «größtes Kunstwerk aller Zeiten» gepriesen hatte, dachte gemeinsam mit dem...
MÜNSTER, LWL MUSEUM FÜR KUNST UND KULTUR
bis 14.4.24, Nudes
In Kooperation mit der Tate London beleuchtet die Ausstellung den historischen künstlerischen Akt, intime und moderne Aktdarstellungen sowie surreale Körper und politisch aufgeladene und fragile Darstellungen nackter Körperlichkeit, Themen wie den männlichen Blick auf den nackten Frauenkörper und die Frage...
