Wo die Körper übernehmen
Das schwindelerregende Verhältnis von Kunst und Terror hat schon vor gut zwanzig Jahren die Volksbühne auf einem sehr dünnen Seil tanzen lassen. Im Nachgang von 9/11 griff Dramaturg Carl Hegemann das Diktum des Komponisten Karlheinz Stockhausen auf, der den Al-Qaida-Angriff als «größtes Kunstwerk aller Zeiten» gepriesen hatte, dachte gemeinsam mit dem exilrussischen Philosophen Boris Groys über «Terror als Beruf» nach, während Christoph Schlingensief in Performances wie «Atta Atta» die Parallele von Künstler und Terrorist zum Glück nur ästhetischen Belastungsproben unterzog.
Gemeinsamer Nenner beider scheinbar gegensätzlicher Figuren: die Opposition zur (bürgerlichen) Mehrheitsgesellschaft, falls es eine solche überhaupt noch gibt. Oder, wie es in René Polleschs «Fantômas» immer wieder emphatisch heißt: «Dieses gegen all das gelebte Leben!»
Auch der genialische Verbrecher Fantô-mas, den die französischen Autoren Pierre Souvestre und Marcel Allain zwischen 1911 und 1913 zum frühpopkulturellen Helden von insgesamt 32 Romanen machten (und dabei quasi-industrielle Produktionsmethoden erprobten), lässt sich als eine Figur lesen, in der sich Kreativität und asoziale Grausamkeit ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Eva Behrendt
Wer einen satten Enthüllungs - roman aus der Berliner Theaterwelt erwartet hat mit Schlüsselloch-Indiskretionen und Kulissen-Geheimnissen, wird ein wenig enttäuscht sein von Olga Bachs «Kinder der Nacht». Zwar geht es ohne viel literarische Vertuschung bei den zentralen Figuren um lebende Vorbilder, bei Orhan um den Regisseur Ersan Mondtag, und hinter der Figur...
Ich wünschte, Metin, man könnte Erinnerungen einfangen. Wie Insekten, die ein Eigenleben haben, einen eingebauten Instinkt, der sie leitet.» Arda, Protagonist von «Vatermal» und lebensbedrohlich erkrankter Literaturstudent, hat im Krankenhaus plötzlich Zeit und Druck, sich zu erinnern. Auch Mutter Ümran und Schwester Aylin, die sich am Krankenbett sorgfältig...
«Realism as we know it in the Western theater, is vulgar to the African aesthetic sensibility, hence they react to it with laughter.»
Demas Nwoko, Search for a new African Theatre, 1970
«Sometimes when we perform, they say: that is Brecht and I say: this is not Brecht, this is totally African.»
Segun Adefila
Wie über Theater in Nigeria schreiben? Ich war zwei...
