Bamberg: Guter Rat und schöne Worte
Dieses Land hat doch nur begrenzte Möglichkeiten. Zumindest für Menschen wie Khalil. Er wurde zwar in Amerika geboren, doch seine Eltern sind bosnische Einwanderer. Sie sind muslimisch, und Khalil und sein Bruder Amir erfahren an Leib und Seele, was es heißt, «anders» zu sein. Ein Spiel zwischen Anpassung und Radikalisierung beginnt so in Morton Rhues Stück «Dschihad Online», und es wird schlecht ausgehen: moralisch für das westliche Land, ganz konkret mit Ausweisung der beiden Brüder, die den Halt verlieren und den Glauben daran, dass es vielleicht doch bessere Welten geben könnte.
Wie schon in «Die Welle», wo es um die Anfälligkeit für nationalistisches Gedankengut ging, vermeidet es der amerikanische Autor Rhue auch jetzt, einem gesellschaftlichen Problem mit einfachen Lösungsvorschlägen beizukommen. Im Gegenteil: In «Dschihad Online», uraufgeführt am Bamberger Theater, bleibt bis zum Ende ein provozierender Gedanke im Raum. Ist es wirklich so verwunderlich, dass junge Moslems mit dem «Islamischen Staat» sympathisieren, wenn sie miterleben müssen, wie die westliche Welt auf den Glaubensinhalten herumtrampelt und im Namen der «Freiheit» Krieg führt gegen Andersdenkende? Was ist ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Bernd Noack
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