Corona-Proben: Das Schiff zu Wasser lassen
Nicht mit mir! Schieb dir dein scheiß Lexikon sonst wohin. Und zwar kreuzweise!», brüllt Markus Michalik. Er spielt den Theo in Philipp Löhles Komödie «Die Mitwisser» und tobt auf der Bühne wie Rumpelstilzchen. Sein Bewegungsradius ist dabei allerdings sehr klein. Und der Angebrüllte hat sich verdünnisiert. Um Michalik herum ist es leer. Denn wer derzeit auf einer deutschen Theaterbühne brüllt, muss sechs Meter Abstand halten zum übrigen Ensemble. So fordern es die neuen Arbeitsschutz-Verordnungen, die man für das Theater entwickelt hat.
Wie überall müssen auch auf der Bühne stets eineinhalb Meter Abstand eingehalten werden – wenn man in normaler Lautstärke spricht. Drei Meter gelten, wenn es mittellaut zugeht. Nähe, Körperlichkeit, Berührungen: vorerst Vergangenheit. Auf- und Abgänge sind reglementiert, weil man sich dabei nicht begegnen darf. Wegen der Desinfektionsregeln dürfen auf der Bühne keine Requisiten übergeben werden. Sich schminken und kostümieren muss man jetzt selbst. Aber wie soll Theater ohne Körperkontakt funktionieren?
Umbau einer Inszenierung
Die Esslinger Landesbühne (WLB) testet, wie es gehen kann. Seit 11. Mai wird vorsichtig wieder geprobt: «Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2020
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Verena Großkreutz
Eva Behrendt Die «Kurze Chronik des zukünftigen China» haben Sie bereits 2015 geschrieben, jetzt hat John Birke das Stück ins Deutsche übersetzt. Hat das Stück in den letzten Jahren für Sie an Aktualität oder Gültigkeit eingebüßt?
Pat To Yan Zunächst einmal glaube ich, dass die Dinge, die ich darin beschreibe, immer noch geschehen oder weiterhin geschehen...
Ich war auch einmal, vor langer und für kurze Zeit, mit einer Schauspielerin zusammen, die zuvor Sekretärin gewesen war. Eines Nachts verließ sie mich. Wir waren 24 und gerade schlafen gegangen, nach einem dieser feuchtfröhlichen Abende mit ihrem Regisseur in einer einschlägigen Hamburger Theaterkneipe. Plötzlich setzte sie sich kerzengerade im Bett auf. «Ich muss...
Wenn es sich alle Theater so leicht machen könnten wie das in Ingolstadt! Dort entschied man sich, als langsam klar wurde, dass Corona die ganzen fertigen Planungen für die nächste Saison zunichte machen würde, für einen radikalen Schnitt: «Wir haben unseren Spielplan 2020/2021 um ein Jahr verschoben, da dies ein wunderbarer Spielplan ist, wir aber nicht damit...
