Essen: Göttliches Walten?
Am 10., 25. Juni, 8. Juli 2017 im Schauspiel Essen.
Die Geschichte, in die Yamila Hanna Bach während ihrer Forschungsreise im Nahen Osten gerät, ist wirklich sehr merkwürdig. Die deutsche Mikrobiologin wird in Martina Clavadetschers Siegerstück der 4. Essener Autorentage «Stück auf!» nämlich gegen ihren Willen zur Protagonistin einer bizarren Neuerzählung der biblischen Parabel von Lot. Eigentlich wollte sie nur Proben von Pilzen und Bakterien in Sodiriya (alias Sodom) sammeln, nun steht sie vor dem Untersuchungsrichter und wird verdächtigt, ein Engel zu sein.
Ausgerechnet El-Arad, einen mutmaßlichen Mörder, Inzesttäter und Alkoholiker, soll sie vor dem angekündigten Untergang des vom Kapitalismus gezeichneten Sündenpfuhls Sodiriya retten wollen («Das Monstrum ist krank. Wie ein Ekzem, das sich ausweitet. Alles nahe dem Kollaps»). Angeklagt hat sie Baganja, die sich selbst als «zufriedene Hure» bezeichnet und fest davon überzeugt ist, dass eine Verwechslung stattgefunden hat und eigentlich sie an Stelle El-Arads errettet werden soll. Gemeinsam mit dem Untersuchungsrichter treibt sie erzählend und rekonstruierend Yamila und El-Arad geradezu ins szenische Spiel hinein, bis die Vorsehung die Regie übernimmt: Schlussendlich flüchtet ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Natalie Bloch
«Wessen Herz ist schon ganz?», fragt Michailo Gurman achselzuckend. Oder er sagt Sätze wie «Das Glück liegt in einem Tag nur, in einer Stunde, einer Minute, Sekunde, in einem ungreifbaren Augenblick.»
Keine Frage, dem jungen Ukrainer mangelt es an optimistischer Lebenseinstellung. Was aber nicht weiter verwunderlich ist, wenn man weiß, dass er erst vor kurzem zum...
The Artist is present» hieß die mehrere hundert Stunden dauernde Performance, mit der Marina Abramovic 2010 halb New York ins MOMA lockte. Doch nicht nur dort, an einem Tisch und auf zwei Stühlen, wo sich die Künstlerin und wechselnde Besucher*innen vor Publikum und Kameras gegenübersaßen und in die Augen blickten, war Abramovic anwesend: Auch in Werbespots...
Schade eigentlich, dass Heiner Müller und Miranda July sich nie begegnet sind. Ob sich der ostdeutsche Intellektuelle, gegerbt von den totalitären Erfahrungen des 20. Jahrhunderts (sowie von Whiskey und Zigarren), und die US-amerikanische Künstlerin, die den menschenfreundlichen Hippie-Charme kalifornischer Esoterik versprüht, irgendetwas zu sagen gehabt hätten?...
