Braunschweig: Menschen-Schau
Dieses Lied spielte das Bordorchester auf der «Titanic» als Letztes, bevor auch Bass, Klavier und die acht Musiker versanken in eisigen Fluten: «Nearer my God to Thee». Als beinahe alles gesagt ist in der Braunschweiger Version von Thomas Köcks mittlerweile von zahlreichen Bühnen erforschtem Stück, wenn also im Text die rätselhaft-vergessenen Gestalten in «Klima-Kapseln» noch einmal über die gründlich verwüstete Erde wandeln, versammeln sich alle in einem auch recht kapselartigen Raum um diese beiden «Post-Parzen» und stimmen diesen letzten Gesang an.
In der Inszenierung von Marcus Lobbes wird Köcks schier grenzenlose Weltuntergangs-Fantasie gerade nicht (wie bislang meistens seit der Uraufführung bei den Ruhrfestspielen) aufgeladen mit Bildern, die die Poesie der Katastrophe in Kostümen des Alptraums zu beglaubigen versuchen: nicht die Geschichten vom frühkapitalistischen Kautschuk-Raubbau in Brasiliens amazonischen Wäldern, nicht die vom scheiternden Kampf eines Kraftfahrzeug-Mechanikers um die Würde der Selbständigkeit, nicht mal die unermesslichen Sprachfluten, die immer wieder wie Regie-Anweisungen über die sich verschränkenden Fabeln hereinbrechen.
Bühnenbildner Wolf ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Michael Laages
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