Brasilien: Im Dauerwiderstand
Noch schien Brasilien verschont zu bleiben vom Virus, die Zahl der offiziell registrierten Infizierten war gering. Aber der unberechenbare Präsident kam gerade zurück vom Besuch bei Donald Trump, und zur Entourage gehörte auch Kommunikationschef Fabio Wajngarten – der war positiv getestet, und also ging auch Jair Bolsonaro in die Klinik.
Die finalen Ergebnisse wurden nicht publiziert; aber der Vorgang kann dazu beigetragen haben, dass die lokalen Autoritäten die Krankheit ernster nahmen als der in jeder Hinsicht umstrittene Präsident selbst – der verharmloste sie danach lange als «Gripezinha», als «kleine Grippe», und sabotierte sogar mit Rücksicht auf die Wirtschaft über Wochen hin direkt und indirekt Vorsorgemaßnahmen wie die Selbstisolation der Bevölkerung; mit dem Risiko, mitverantwortlich zu sein für Krankheit und Tod vieler Brasilianerinnen und Brasilianer. Den latenten Widerstand hat der bekennende Verehrer des Militär-Putsches von 1964 damit nur befeuert – wieder wurde über Wochen hin jeden Abend um halb acht auf den Balkons Protest-Lärm geschlagen mit Töpfen, Pfannen und Geschirr.
Zwei Tage vor dem Finale trafen die Vorsichtsmaßnahmen der Stadtregierung von Sao Paulo ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Michael Laages
Zwei Tage war das Virus, das 14 Tage später das (Theater-)Leben zum Erliegen brachte, schon in Deutschland unterwegs, als am 29. Februar am Hamburger Thalia Theater Yael Ronens «(R)Evolution» zur Uraufführung kam. Der Abend, inspiriert von den Gedankenspielen zu den disruptiven Einschnitten am Ende des Anthropozäns von Ronens israelischem Landsmann Yuval Noah...
Ein kleines Virus legt nicht nur das Theatertreffen lahm – was noch niemandem zuvor in 57 Jahren gelungen ist –, sondern auch gleich den Rest der Welt, sofern er menschlich besiedelt ist. Eine Pandemie mit Abermillionen Infizierten ist die größte anzunehmende Kränkung für hominide Allmachtsfantasien und technologischen Machbarkeitsglauben und lässt alle übrigen...
Vielleicht hat es sich Philipp Löhle mit «Andi Europäer», dem neuen Auftragswerk des Hausautors am Nürnberger Staatstheater, doch ein wenig leicht gemacht? Die Idee ist reizvoll, sicher, das Ergebnis dann aber doch eher plump: ein Gag-Potpourri mit vehement behauptetem radikalem Anspruch, der aber verpufft, weil er nur Vorurteile ausbreitet und das Naheliegende ins...
