Auf Fehlersuche
Ein kleines Virus legt nicht nur das Theatertreffen lahm – was noch niemandem zuvor in 57 Jahren gelungen ist –, sondern auch gleich den Rest der Welt, sofern er menschlich besiedelt ist. Eine Pandemie mit Abermillionen Infizierten ist die größte anzunehmende Kränkung für hominide Allmachtsfantasien und technologischen Machbarkeitsglauben und lässt alle übrigen Probleme moderner Gesellschaften gleich mehrere Nummern kleiner erscheinen. Soweit das durchaus Heilsame am Corona-Virus.
Das leider weniger Heilsame daran: Wenn das Virus einmal verschwunden sein wird, werden alle diese übrigen Probleme noch da sein. Vermutlich sogar deutlich spürbarer.
Dass etwas faul sei im Staate Dänemark, wird niemand bestreiten in diesem Bochumer «Hamlet» von Johan Simons, nur was? Den üblichen Racheauftrag des verstorbenen Königs gibt es hier nicht – oder nur als kleinen hamletischen Traumanfall –, aber der neue Herrscher und sein ganzer Hofstaat sind auffällig um Normalität bemüht. Dabei sind diese Zeitgenossen durchaus keine Schurken, es herrscht eher ein wenig hervorstechendes Mittelmaß des Machterhalts aus Eigeninteresse ohne jeden erkennbar darüber hinausreichenden Ehrgeiz: eine nicht einmal ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 14
von Franz Wille
Eva Behrendt Herzlichen Glückwunsch zur Auswahl – und dazu, dass die Quote mit sechs Inszenierungen von Regisseurinnen sogar übererfüllt wurde. Wie ist das gelungen?
Margarete Affenzeller Eigentlich war’s ganz leicht. Es war in letzter Zeit kaum noch die Rede von der Quote, auch nicht in der Schlussdiskussion. Wir waren uns schon im Mai, als Yvonne Büdenhölzer...
Am Ende ist es eine runde Sache. Buchstäblich. Wieder und wieder zieht der wie Prometheus angekettete Faust mit langen Hörnern auf dem Kopf sisyphosgleich im Kreis durch die Metallarena mit zwei gigantischen Kreuzen – eins stehend, eins liegend. Auf dem hohen Kreuz thront ein blütenweißer Engel mit riesigen Flügeln, während auf dem anderen Mephisto in weißer Maske...
Eine «Tanz-Rap-Oper» hatte die Hamburger Choreografin Jessica Nupen geplant. «The Nose» nach Gogols «Die Nase»: rund 40 Beteiligte, eine eigene Komposition des kanadischen HipHop-Querdenkers Socalled, aufgeführt in der riesigen Halle K6 im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel. Eine Koproduktion von Kampnagel, Cape Town Opera und Staatstheater Wiesbaden, gefördert...
