Boulevard in die Dunkelheit
Hier wird man noch mit Handschlag begrüßt. Rainer Frank heißt das hereinströmende Publikum einzeln willkommen, hier ein Händeschütteln, da ein aufmunterndes Augenzwinkern, später geht er durch die Reihen: «Wem habe ich noch nicht die Hand gegeben?» Er präsentiert joviales Strahlen mit dem Appeal eines Thomas Gottschalk auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Das grenzt an Karikatur, und das soll es auch in diesem «Timon von Athen» in der Kammer 1 in Magdeburg, in dem Frank die Titelfigur des feierlustigen Lebemanns gibt.
Inszeniert hat ihn Andreas Kriegenburg, der nach langen Jahren wieder in seine Heimatstadt zurückkehrt, wo er als Bühnentechniker in den 1980ern zum Theater kam, und dabei eben jenes nicht ganz so häufig erzählte Shakespeare-Stück im Gepäck hat.
Timon ist ein reicher Adliger, der über seine Verhältnisse lebt, weil er seinen Wohlstand in teuren Festen und Geschenken verprasst. Als er selbst Unterstützung benötigt, wird er verstoßen und zieht sich grollend und auf Rache sinnend in den Wald zurück. Frank gibt diesen Timon von Magdeburg zunächst flott, oberflächlich und naiv. Um ihn herum schwirrt im rot aus -geschlagenen Bühnenraum das Ensemble des Magdeburger ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Torben Ibs
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