Aus aktuellem Anlass

Die AfD, die Besserverdienenden, die Abgehängten und die Rechtlosen: Eindrücke aus der Berliner Schaubühne, dem Kunstfest Weimar und dem Maxim Gorki Theater mit Maja Zades «spinne», Navid Kermanis «S wie Schädel» und Cem Kayas «Pop, Pein, Paragraphen»

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So ist das also mit der AfD in den besserverdienenden Kreisen: Man ist ein erfolgreicher, wenn auch zwielichtiger Rechtsanwalt, der schon als Jugendlicher keine Ausländer mochte, weil sich der gefühlskalte Vater nach dem Tod der Mutter eine Thailänderin ins Haus geholt hat. Später fühlt man sich dann in der coolen Kanzlei zurückgesetzt, weil eine Frau und zwei postmigrantische Kollegen an einem vorbei Karriere machen.

Dann wird die andere Kollegin geheiratet, sich selbstständig gemacht und mit der Gattin nach etlichen traurigen Fehlgeburten ein Sohn gezeugt, der nun als 15-Jähriger ein arroganter, verzogener Schnösel geworden ist. Die Mutter wiederum, die Anwaltsgattin, wirft auf dem Kudamm das Geld mit beiden Händen in Designerstores, tafelt beim Edelitaliener, kokettiert ausführlich mit dem Kellner, betrügt ihren Mann, behauptet ihr Lebensglück in Mutterschaft und Familie, lobt die Heimat und zückt gegen vermeintliche weibliche Konkurrentinnen alle verbalen Messer. Was für eine nette, ungewöhnliche Familie. Woher man das so genau weiß in Maja Zades «spinne»? So viel und noch ein bisschen mehr erzählt Julia in ihrem Bericht vom gestrigen Abend, als die einsame Mittvierzigerin ...

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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille

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