Aus aktuellem Anlass
So ist das also mit der AfD in den besserverdienenden Kreisen: Man ist ein erfolgreicher, wenn auch zwielichtiger Rechtsanwalt, der schon als Jugendlicher keine Ausländer mochte, weil sich der gefühlskalte Vater nach dem Tod der Mutter eine Thailänderin ins Haus geholt hat. Später fühlt man sich dann in der coolen Kanzlei zurückgesetzt, weil eine Frau und zwei postmigrantische Kollegen an einem vorbei Karriere machen.
Dann wird die andere Kollegin geheiratet, sich selbstständig gemacht und mit der Gattin nach etlichen traurigen Fehlgeburten ein Sohn gezeugt, der nun als 15-Jähriger ein arroganter, verzogener Schnösel geworden ist. Die Mutter wiederum, die Anwaltsgattin, wirft auf dem Kudamm das Geld mit beiden Händen in Designerstores, tafelt beim Edelitaliener, kokettiert ausführlich mit dem Kellner, betrügt ihren Mann, behauptet ihr Lebensglück in Mutterschaft und Familie, lobt die Heimat und zückt gegen vermeintliche weibliche Konkurrentinnen alle verbalen Messer. Was für eine nette, ungewöhnliche Familie. Woher man das so genau weiß in Maja Zades «spinne»? So viel und noch ein bisschen mehr erzählt Julia in ihrem Bericht vom gestrigen Abend, als die einsame Mittvierzigerin ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Ein Windhauch weht durch die bunten Girlanden über der Freilichtbühne der Jenaer Kulturarena, während das siebenköpfige Ensemble vom Bühnenrand leise sein Good-bye singt. Und dann fängt es auch noch an zu regnen. Ein etwas kitschiger Abgang. Doch es wäre nicht das Jenaer Ensemble, wenn es so gehen würde. Also noch einmal anders: Good-bye in Krautrock-Manier. Es...
Besonders ausgeprägte Feierstimmung herrscht nicht bei der Eröffnung des Internationalen Sommerfestivals im Hamburger Produktionshaus Kampnagel. Kurz vor Festivalstart wurde bekannt, dass die Bundesregierung den Etat des Fonds Darstellende Künste im künftigen Haushalt um 46 Prozent kürzen wolle, was insbesondere das Bündnis Internationaler Produktionshäuser – und...
Wolfgang Kralicek Als Sie als Kulturstadträtin anfingen, haben Sie in «Theater heute» gesagt, Sie möchten kein «fleischgewordener Bankomat» sein. Ist Ihnen das gelungen?
Veronica Kaup-Hasler Ja, unbedingt!
WK Aber liegt es bei dem Job nicht in der Natur der Sache, dass alle nur das Eine wollen?
Kaup-Hasler Natürlich geht es in vielen Gesprächen, die ich führe,...
