Bewusstseins­überwältigungs­maschine

nach Rolf Dieter Brinkmann «Keiner weiß mehr» (Köln Schlosserei)

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Mit «Under my thumb» von den Rolling Stones, der Hymne der Frauen­unterdrücker, beginnt der Abend. Ein Ekel ist dieser «Er». Ein egomaner Choleriker. Kümmert sich nicht um sein Kind und wirft seiner Frau vor, sie sei schuld daran, dass es nicht spricht.

Der Held und Erzähler von Rolf Dieter Brinkmanns 1968 veröffentlichtem Roman «Keiner weiß mehr» ist (seinem Autor zum Verwechseln ähnlich) ein scheiternder Rebell, einer, der weiß, dass er an sich selbst scheitert.

Das Faszinierende an ihm ist seine uneitle Selbst­entblößung und seine Unnachgiebigkeit, seine berserkerhaft wütende Selbstanalyse zwi­schen unflätigen Ausfällen gegen alle, die ihm nahe­stehen – und dass er nicht nachlässt in seinem Versuch, mit den anderen Menschen irgendwie doch zu Rande zu kommen. Der Roman hat kaum Handlung, kaum Figuren, keinen Dialog, viele mit provokativer Detailgenauigkeit geschilderte Sexszenen – keine leichte Vorlage für das Theater. Die Kölner Dramaturgie und der Regisseur Stefan Nagel scheinen auch die ersten zu sein, die auf die Idee kamen, dieses in Köln spielende Monstrum aus den wilden Sechzigern auf die Bühne zu bringen.

Die Inszenierung beginnt so unauffällig wie möglich. Der Romantext ...

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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Gerhard Preusser

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