Bewusstseinsüberwältigungsmaschine
Mit «Under my thumb» von den Rolling Stones, der Hymne der Frauenunterdrücker, beginnt der Abend. Ein Ekel ist dieser «Er». Ein egomaner Choleriker. Kümmert sich nicht um sein Kind und wirft seiner Frau vor, sie sei schuld daran, dass es nicht spricht.
Der Held und Erzähler von Rolf Dieter Brinkmanns 1968 veröffentlichtem Roman «Keiner weiß mehr» ist (seinem Autor zum Verwechseln ähnlich) ein scheiternder Rebell, einer, der weiß, dass er an sich selbst scheitert.
Das Faszinierende an ihm ist seine uneitle Selbstentblößung und seine Unnachgiebigkeit, seine berserkerhaft wütende Selbstanalyse zwischen unflätigen Ausfällen gegen alle, die ihm nahestehen – und dass er nicht nachlässt in seinem Versuch, mit den anderen Menschen irgendwie doch zu Rande zu kommen. Der Roman hat kaum Handlung, kaum Figuren, keinen Dialog, viele mit provokativer Detailgenauigkeit geschilderte Sexszenen – keine leichte Vorlage für das Theater. Die Kölner Dramaturgie und der Regisseur Stefan Nagel scheinen auch die ersten zu sein, die auf die Idee kamen, dieses in Köln spielende Monstrum aus den wilden Sechzigern auf die Bühne zu bringen.
Die Inszenierung beginnt so unauffällig wie möglich. Der Romantext ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Gerhard Preusser
Mephisto wohnt in der Teisenberggasse 11. Aus dem öligen Haar wachsen ihm Hörner, der offene Bademantel gewährt Einblick auf einen imposanten Bauch und einen schwarzen Slip. Pleased to meet you: Der Teufel ist in Feierlaune, und wir sind heute seine Gäste. In Reih und Glied stehen wir an der Hausmauer und nippen an den milchig weißen Drinks, die uns gereicht...
Am Abend, der Tag hält sich jetzt schon wieder etwas länger, sitzen die Männer um den großen Küchentisch herum und machen Brotzeit. Ihr Gespräch dreht sich um den Traktor, den der Seewirt, dieser furchtbar zögerliche Mensch, nun vielleicht doch noch in diesem Frühjahr kaufen wird.
Der Finsterle will mir einen Lanz verkaufen, das wäre momentan der angesagte Bulldog,...
Im Theater sagten sie «Rosel». Sie wollte selbst die lieblichere, kleinere Form ihres Vornamens. Rosalie Helga Lina: Eine Matrone konnte sich solchen Taufnamen leisten; sie war leichter, munterer. Aber was? Sie wusste es erst sicher, als sie schon vierzig war, nach langem Weg und harter Arbeit; nämlich: die unverwechselbare Schauspielerin, schön, anmutig und...
