Betatscht und gemaßregelt

Korso-op.Kollektiv «Bang Bang Tender» (U) im Garelly-Haus Saarbrücken

Theater heute - Logo

Vor dem eigentlichen Spielbeginn lässt sich eine wortlose Naherfahrung mit dem anderen Geschlecht machen. Sie wird die angenehmste an diesem Abend sein. Eine kleine Peepshow-Box mit zwei Glitzervorhängen (einer für Männer, einer für Frauen) lädt zum Betreten ein. Für mehrere Sekunden stehe ich auf engstem Raum einem sympathischen jungen Mann, dem Schauspieler Manuel Franz, Aug in Aug gegenüber, bevor ich wieder in den von Säulen gestützten, kellerclubartigen Innenraum des von der freien Künstler:innenszene genutzten Saarbrücker Garelly-Hauses trete.

Flackernde Plastikkerzen und eine hämische Kirmesansagerstimme («Wir bringen euch das Blut zum Kochen») verheißen hier einiges an Nervenkitzel, derweil sich junges Publikum entspannt an den Längsseiten des Raumes platziert.

In den folgenden zweieinhalb Stunden von «Bang Bang Tender», der neuesten Theaterperformance des Korso-op.Kollektivs, mutiert der trashige Schauerspaß allerdings zu einer ziem -lichen Horrorfahrt durch die Geschlechterverhältnisse unseres jahrtausendealten Patriarchats. Auf politisch korrekte Darstellung oder Safe-Space-Vorsichtsmaßnahmen wird dabei gnadenlos verzichtet. Das Textgewirr aus Märchen, Mythen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Natalie Bloch

Weitere Beiträge
Rammsteindämmerung

Nach den Vorwürfen gegen Till Lindemann, den Sänger der Band Rammstein, wird niemand auf die Idee kommen, die nun mindestens des Machtmissbrauchs gegenüber jungen Frauen verdächtige Praxis des Rockstars sei ein gutes Zeichen, um es musi -kalisch auf die Bühne zu holen. Vorerst kein Rammstein mehr als akustisches Kokain aus den Theaterlautsprechern. Denn die Musik...

Am Beispiel der Mutter

Die sogenannte «Vorklinik» im Grazer Univiertel ist ein Geisterhaus. Das Gebäude aus dem Jahr 1976, das Teil der medizinischen Fakultät war, wird demnächst abgerissen. Zuvor aber kam noch einmal Leben in die verlassenen Räumlichkeiten: Im Rahmen des Dramatiker:innenfestivals, das vom Grazer Schauspielhaus und dem Verein Drama Forum alljährlich veranstaltet wird,...

Kunstermöglicher zwischen den Welten

Was war er? Kulturanreger? Impresario? Geldbeschaffer? Raumumwidmer? Alles von allem. 1984 gründete der studierte Theaterwissenschaftler (und ausgebildete Finanzberater) Jochen Hahn mit seiner damaligen Frau Dagmar in München die Hahn & Molitor Produktion, die amerikanische Avantgarde nach Deutschland brachte. Hahn konnte wie kein anderer Kulturministerien und...