Betatscht und gemaßregelt
Vor dem eigentlichen Spielbeginn lässt sich eine wortlose Naherfahrung mit dem anderen Geschlecht machen. Sie wird die angenehmste an diesem Abend sein. Eine kleine Peepshow-Box mit zwei Glitzervorhängen (einer für Männer, einer für Frauen) lädt zum Betreten ein. Für mehrere Sekunden stehe ich auf engstem Raum einem sympathischen jungen Mann, dem Schauspieler Manuel Franz, Aug in Aug gegenüber, bevor ich wieder in den von Säulen gestützten, kellerclubartigen Innenraum des von der freien Künstler:innenszene genutzten Saarbrücker Garelly-Hauses trete.
Flackernde Plastikkerzen und eine hämische Kirmesansagerstimme («Wir bringen euch das Blut zum Kochen») verheißen hier einiges an Nervenkitzel, derweil sich junges Publikum entspannt an den Längsseiten des Raumes platziert.
In den folgenden zweieinhalb Stunden von «Bang Bang Tender», der neuesten Theaterperformance des Korso-op.Kollektivs, mutiert der trashige Schauerspaß allerdings zu einer ziem -lichen Horrorfahrt durch die Geschlechterverhältnisse unseres jahrtausendealten Patriarchats. Auf politisch korrekte Darstellung oder Safe-Space-Vorsichtsmaßnahmen wird dabei gnadenlos verzichtet. Das Textgewirr aus Märchen, Mythen und ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Natalie Bloch
DUISBURG, LIEBFRAUENKIRCHE
12.8.–23.9., My Body Is Not An Island Eva Kot'átková
Die tschechische Künstlerin Eva Kot’átková entwickelt nach Stationen in Bordeaux und Prag eine ortsspezifi -sche Version von «My Body Is Not An Island»: Ein dekonstruierter, gigantischer Körper – teils Tier, teils Mensch – aus einem Metallgerüst geschweißt, über -dimensionale...
Margit Carstensen war die Petra von Kant, im Film und auf der Bühne; sie prägte diese wie viele Fassbindersche Frauenfiguren. Dem Regisseur sei nachgesagt worden, sagt Carstensen 1992 in einem Interview, so negative Frauenbilder gezeichnet zu haben. «Dabei war ich das. Ich hab’ sie negativ gezeigt.» Schließlich seien hinter dem, was man nach außen sehe, oft doch...
Wenn ich auf der Bühne noch eine weitere junge Frau mit blonder Langhaarperücke, Glitzerjacke, Hot-Pants und Plateaupumps sehe, das Abziehbild einer Sexarbeiterin, muss ich schreien», schreibt die Theaterkritikerin Dorothea Marcus. «Und ja, dies hat nicht nur mit Feminismus, sondern auch mit ‹Ageism›, also: Altersdiskriminierung zu tun. Denn sobald die ständige...
