Betatscht und gemaßregelt
Vor dem eigentlichen Spielbeginn lässt sich eine wortlose Naherfahrung mit dem anderen Geschlecht machen. Sie wird die angenehmste an diesem Abend sein. Eine kleine Peepshow-Box mit zwei Glitzervorhängen (einer für Männer, einer für Frauen) lädt zum Betreten ein. Für mehrere Sekunden stehe ich auf engstem Raum einem sympathischen jungen Mann, dem Schauspieler Manuel Franz, Aug in Aug gegenüber, bevor ich wieder in den von Säulen gestützten, kellerclubartigen Innenraum des von der freien Künstler:innenszene genutzten Saarbrücker Garelly-Hauses trete.
Flackernde Plastikkerzen und eine hämische Kirmesansagerstimme («Wir bringen euch das Blut zum Kochen») verheißen hier einiges an Nervenkitzel, derweil sich junges Publikum entspannt an den Längsseiten des Raumes platziert.
In den folgenden zweieinhalb Stunden von «Bang Bang Tender», der neuesten Theaterperformance des Korso-op.Kollektivs, mutiert der trashige Schauerspaß allerdings zu einer ziem -lichen Horrorfahrt durch die Geschlechterverhältnisse unseres jahrtausendealten Patriarchats. Auf politisch korrekte Darstellung oder Safe-Space-Vorsichtsmaßnahmen wird dabei gnadenlos verzichtet. Das Textgewirr aus Märchen, Mythen und ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Natalie Bloch
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Was war er? Kulturanreger? Impresario? Geldbeschaffer? Raumumwidmer? Alles von allem. 1984 gründete der studierte Theaterwissenschaftler (und ausgebildete Finanzberater) Jochen Hahn mit seiner damaligen Frau Dagmar in München die Hahn & Molitor Produktion, die amerikanische Avantgarde nach Deutschland brachte. Hahn konnte wie kein anderer Kulturministerien und...
