Besser gut zuhören
Kaum zu glauben, dass es in Chemnitz so viele Nachtclubs gibt. DJane Fuxia führt das Theaterpublikum mit lässigem Techno von Ort zu Ort, ihr DJ-Pult ist ein schwarzer Einkaufswagen mit Boxen und blinkenden Sternen. Auf der Bühne im Weltecho, im ersten Stock eines wunderschönen Gründerzeit-Baus, zeigt das Chemnitz-brasilianische Ensemble Enois 15 Minuten schmerzhaft-stolzen Tanz über Identität. Im düsteren Keller des Brauclub verwandelt der Puppenspieler Jan Mixsa Küchengeräte in wütend krakeelende Querdenker.
Im coolen Eck-Etablissement «Nikola Tesla» trägt die Performerin Teresa Stelzer Gedichte der Chemnitzerin Barbara Köhler vor und lässt Glasränder erklingen.
Zumindest ein paar Mitbürger schließen sich der Clubtour an, die Theater an neue Orte und zu neuen Zuschauern bringen will. Aber es ist nicht einfach in dieser Stadt, bestätigt auch Frauke Wetzel. Sie sitzt im Vorstand des Vereins «Asa-FF», der das Festival veranstaltet und sich in Chemnitz für Demokratieentwicklung einsetzt, mit Akteuren der Zivilgesellschaft Kontakt aufbaut, Start-ups unterstützt oder Geschichte aufarbeitet, etwa den NSU-Terror. Bekanntlich lebte das Terroristen-Trio im Chemnitzer «Untergrund» ziemlich ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Dorothea Marcus
Noch bevor alle Zuschauer:innen ihre Plätze eingenommen haben, wird die vierte Wand durchbrochen. Und zwar vom Kamerakran, der weit in den Saal des Hamburger Schauspielhauses hineinfährt und dem Publikum so direkt auf die Pelle rückt. Auge in Kameraauge steht man sich da gegenüber, und das penetrant vor einem filmende Gerät erinnert dabei an das Monster, das im...
Mit Castorf und Einar Schleef waren im Sommer 1989 die beiden stärksten Vertreter des oppositionellen Theaters aus der DDR im Westen. Komplettierte sich das DDR-Exil? In dem Nebeneinander in Frankfurt und München sah man die Unterschiede. Schleef baute noch harte, thematisch klare Stücke, brauchte deutliche Konturen, klare Szenenfolgen, seine innovative Kraft...
Nach einem auch in der Schweiz ungewöhnlich trockenen Sommer zog ausgerechnet zur Eröffnung des Theaterspektakels ein ausgiebiges Drei-Tage-Tief über den Zürichsee. «Waterworks», eine Koproduktion der in Berlin lebenden Künstlerin Meg Stuart mit der Kompagnie The Field und dem Spektakel, fand deshalb unter weitaus feuchteren Umständen statt als ohnehin geplant:...
