Berlin/Potsdam Deutsches Theater/Hans Otto Theater: Masken der Macht
Wenn Königin Elisabeth von England ihre Lage zusammenfasst – Akt IV, 10. Auftritt –, stülpt sich Julia Windischbauer im Deutschen Theater Berlin einen großen Pappmaché-Nachbau ihres Kopfes über und ringt mit beiden Armen. Alle Mächte Europas sind gegen sie, ihre Herrschaft ist nur auf wackeliger «Volksgunst» gebaut, und dann wäre da auch noch diese Maria Stuart, die ihren legitimen Thronanspruch in Frage stellt.
Und noch während Elisabeth/Windischbauer da steht wie eine jämmerliche Puppe ihrer selbst, unterschreibt sie schnell das Todesurteil über die Konkurrentin: «Ihr Haupt soll fallen, ich will Frieden haben.»
Selten hat der freiheitsbegeisterte Schiller das Dilemma selbst der Königsfreiheit schärfer eingegrenzt: «O der ist noch nicht König, der der Welt / Gefallen muss!» Regisseurin Anne Lenk zieht die Grenzen der Freiheit sogar noch ein bisschen enger. Gemeinsam mit Bühnenbildnerin Judith Oswald werden die Figuren des Stücks über- und nebeneinander in blutrote Kästchen gesperrt und gestapelt, ein symmetrisch arrangiertes, an der Rampe aufragendes Tetrisfeld der Macht mit unterschiedlich großen Bausteinen. In der Mitte das königliche Doppelkästchen für Elisabeth, darunter ...
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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Franz Wille
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«Warum hört ihr bei Corona der Wissenschaft zu, und beim Klimawandel nicht? Die Gefahr ist doch die gleiche: Es lauert der Tod. Nur für viel mehr Menschen», fragt die 18-jährige Lei, und der 13-jährige Kester legt nach: «Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, wenn niemand etwas unternimmt, um diese Zukunft zu retten?» Riesige Projektionen junger...
