Berlin: Schwarz, weiß, rot, tot

Shakespeare «Othello»

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Da steht, in tiefem Bühnenschwarz auf weißem Grund: Othello. Der nackte Leib rot eingefärbt von Kopf bis Fuß. Markiert, aber nicht schwarz, sondern blutrot. So beginnt zu wummernden Beats (Ludwig Wandinger) vom zentral über Olaf Altmanns leerer Bühne thronenden, göttergleichen Schlagzeug Michael Thalheimers «Othello» am Berliner Ensemble. Was will das Rot uns sagen? Den «Moor of Venice», so der originale kolo­niale Titelzusatz des Shakespeare-Dramas, haben wir im Kopf als Inbegriff des Schwarzen im Theaterkanon.

Lässt diese Zuschreibung sich so simpel übermalen? Wofür steht die Stellvertretermarkierung blutrot? 

Ingo Hülsmann lässt daran von der ersten Minute, in der er in lässiger Macho-Pose an der Rampe steht, keinerlei Zweifel: Rot ist der Mann, der General, der Aggressor. Als Desdemona, Sina Martens, ein züngelndes Püppchen mit krächzendem Stimmchen, ihn hingerissen bespringt, färbt sein Rot ihre weißgeschminkte Nacktheit blutig ein. Der simulierte Geschlechtsakt mündet in ein Würgen, das Desdemonas Tod vorwegnimmt: Küsse sind Bisse, Männer sind Tiere. Die Zeichen sind gesetzt ab der ersten Minute dieses zweistündigen Abends. Der 30-köpfige Chor, der fast dauerpräsent im ...

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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Barbara Burckhardt

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