Behaupten, zweifeln, wiederholen und überprüfen
Josefine Israel spielt und spielt und spielt. Sie spielt die Schülerin Iselin. In Knausgårds «Der Morgenstern» (Regie Viktor Bodó, 2023). Für ihren Musiklehrer überwindet diese junge Frau unvermittelt ihre Scheu, wagt sich an die Untiefen ihrer Gefühle, singt hingebungsvoll Coldplays «Fix you», während der Pullunder-Pädagoge ungerührt in die Tasten seines Synthesizers greift. «When you try your best, but you don’t succeed.» Eine ungehörte Liebeserklärung, gesungen so schutzlos fragil wie im Stimmbruch, nur schöner.
Sie spielt Eve.
In Kleists «Der zerbrochne Krug» (Regie Michael Thalheimer, 2017). Für ihren berührenden Schlussmonolog tritt sie vor an die Rampe und erzählt ihre Wahrheit der Ereignisse. Mit fragender, rauer Stimme berichtet sie von ihrer Not. Von der Nötigung. Von der Erpressung. Verständnislos, mit enttäuschtem Blick, ihr Körper ein schiefes Fragezeichen. Den Kopf stolz erhoben. Die Augen randvoll mit Tränen.
Sie spielt die ahnungslose «Süße». In Albees Ehehölle «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» (Regie Karin Beier, 2019) und ist eigentlich nicht viel mehr als eine dekorative Begleiterscheinung. Lange Zeit steht sie sehr verloren im Raum, hält sich am Bourbonglas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2023
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Katrin Ullmann
Margit Carstensen war die Petra von Kant, im Film und auf der Bühne; sie prägte diese wie viele Fassbindersche Frauenfiguren. Dem Regisseur sei nachgesagt worden, sagt Carstensen 1992 in einem Interview, so negative Frauenbilder gezeichnet zu haben. «Dabei war ich das. Ich hab’ sie negativ gezeigt.» Schließlich seien hinter dem, was man nach außen sehe, oft doch...
Wenn ich auf der Bühne noch eine weitere junge Frau mit blonder Langhaarperücke, Glitzerjacke, Hot-Pants und Plateaupumps sehe, das Abziehbild einer Sexarbeiterin, muss ich schreien», schreibt die Theaterkritikerin Dorothea Marcus. «Und ja, dies hat nicht nur mit Feminismus, sondern auch mit ‹Ageism›, also: Altersdiskriminierung zu tun. Denn sobald die ständige...
Manchmal freilich brach es aus ihm heraus: «Ich hasse sie», begrüßte er dann einen der ihn besuchenden Journalisten. Oder er begründete akribisch, warum er dafür sei, George Orwell für dessen «1984» zu töten – fünf Jahre nach dessen natürlichem Tod. Oder er trickste die zahlreichen Kritiker, die ihm im Hotel in Mailand auflauerten, aus, ließ sich unter Hinweis auf...
