Abhängigkeiten
Tove Ditlevsen war 50 Jahre alt, als die ersten Erinnerungsbände ihrer «Kopenhagen»-Trilogie erschienen. Zehn Jahre später, 1977, nahm sich die dänische Autorin mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben.
Schon früher, erzählt sie in Band drei, «Abhängigkeit», haben Medikamente eine fatale Rolle in ihrem Leben gespielt: Nach zwei relativ kurzen Ehen mit dem deutlich älteren Journalisten Viggo Moller und dem Arbeiter Ebbe Munk heiratete sie mit 28 den Medizinstudenten Carl Ryberg, der sie, die früh berühmt gewordene Schriftstellerin und überforderte junge Mutter, mit dem Opioid Demerol zunächst glücklich und schließlich lebensgefährlich abhängig machte.
Joanna Bednarcyk, die Ditlevsens Erinnerungen sowie die Schilderung ihrer Psychose in dem ebenfalls autobiografischen Band «Gesichter» für die Bühne bearbeitet hat, lässt die klaustrophobische Sucht- und Dämmererfahrung von «Abhängigkeit» außen vor und erwähnt das offen in ihrer Fassung. Vielleicht, weil sich hier zugespitzt zeigt, was auch für die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend im Arbeitermilieu gilt: Ditlevens innere Dramen lassen sich gar nicht so leicht auf die Bühne übertragen.
Weil Ditlevsen ihre Gefühlswelten ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Eva Behrendt
Ein Geist ist in sie gefahren. Eben noch war Boglárka Börcsök eine weißgekleidete Künstlerin, Choreografin und Tänzerin mit ungarischen Wurzeln, wohnhaft in Berlin. Inmitten einer ovalen Rauminstallation «Figuring Age», die Hände in Tüll gehüllt, stand sie da im Kunstraum K20 in Düsseldorf, Bett, Sofa, Sessel weiß bespannt, als seien sie seit langem verlassen. In...
Manchmal freilich brach es aus ihm heraus: «Ich hasse sie», begrüßte er dann einen der ihn besuchenden Journalisten. Oder er begründete akribisch, warum er dafür sei, George Orwell für dessen «1984» zu töten – fünf Jahre nach dessen natürlichem Tod. Oder er trickste die zahlreichen Kritiker, die ihm im Hotel in Mailand auflauerten, aus, ließ sich unter Hinweis auf...
Es ist ein Spiel. Jason (David Kosel) hat zwei Minuten, um zu erraten, welche Gesten er ausführen, welche Gegenstände er benutzen muss, um den großen Preis, eine blaue Glitzer-Nietenjacke – auch bekannt als Goldenes Vlies – zu erhalten. An der Seite sitzt die Familie des Königs Aietes samt Medea (Kriemhild Hamann) im bereits blutbefleckten Shirt. Mit Klatschen...
