Auf dem Kompost der Zivilisation

Knapp vierzig Jahre nach Peter Steins legendärer «Sommergäste»-Inszenierung an der Berliner Schaubühne versucht Alvis Hermanis Gorkis Untote zu reanimieren. Mit Erfolg?

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Putz blättert in ahornblattgroßen Placken von den Wänden, darunter frisst fröhlich der Schimmel. Den Fußboden verwandeln Staub, Dreck und die verstreuten Bestände einer umfangreichen Bücherwand in unwegsames Gelände. Die Glasscheiben der französischen Fenster und der Galerie im ersten Stock sind herausgebrochen, Kabel baumeln lianengleich von der Decke, von draußen wuchern Efeu, Flechten, Moos in die ehemals gute Stube hinein.

Überhaupt scheint die Natur unaufhaltsam zurückzuerobern, was wohlhabende russische Bürger einst zum Schutz vor ihr errichtet haben: ein großzügiges Sommerhaus aus der vorletzten Jahrhundertwende, prachtvoll und lichtdurchflutet.

Erstaunlicherweise wird die düstere Ruine, die Kristine Jurjane mit Lust am naturalistischen Detail und zugleich pathetischer Wucht in die Berliner Schaubühne gebaut hat, mit der allergrößten Selbstverständlichkeit bewohnt. Auf der abgewetzten 50er-Jahre-Chaiselongue mitten im einstigen Salon räkelt sich eine Frau im Halbschlaf, träumt anscheinend Erfreuliches und stößt deshalb, die Hände zwischen den Beinen, Lustschreie der Verzückung aus. Parallel dazu macht sich ein Mann an den Überresten eines Stromkastens zu schaffen, nicht ...

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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Eva Behrendt

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