Art Fair Play Talk
In einem Aufzug, ca. 30 Messegäste. Man hört in regelmäßigen Abständen einen Papagei «loop, loop» krächzen.
Philipp Preuss Wir begrüßen alle Zuschauer und wollen gleich in medias res gehen. Zu meiner Linken begrüße ich Laura Bartleby und – nach längeren Ausreiseproblemen – Anatol Attivic aus Moskau, zu meiner Rechten Brian Cameo, der gerade aus L.A. eingetroffen ist. Ich hoffe der Jetlag ist nicht zu hart.
Brian Cameo Im Gegenteil. Ein angenehmes Browsen zwischen Wachen und Schlafen.
Philipp Preuss Traumhaft. Unser Thema heute ist E-Fluxional. Es geht um die Verflüssigung von Identität in unserem digitalen Zeitalter. Spinoza meinte, ein Tropfen Wasser hat die Idee des gesamten Ozeans in sich. Müssen wir uns selbst auch so begreifen, als Tropfen in einem digitalen Meer?
Laura Bartleby Die Identität wird verflüssigt, ja. In meiner letzten Arbeit «Lazarus Revisited» aber geht es nicht um Identitätsvervielfachungen im Web, sondern um eine Verschiebung des Todesbegriffs im Postdigitalen überhaupt.
Philipp Preuss Zur Erklärung: Laura Bartleby hat ein täuschend echtes Imitat eines toten Fischs geschaffen, der von den Zuschauern mittels Fernbedienung zum Leben erweckt wird. Das ...
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Mit den Worten «hallo? / hört uns jemand?» eröffnet der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer sein neues Theaterstück, eine hochmusikalische, rhythmisch stark geformte Sprachpartitur. Die Frage, die sich als ein Angebot an das Publikum verstehen lässt, in einen Dialog zu treten, ist eine rhetorische, denn die Verlorenen werden kein Gehör finden. Bereits im...
Der Kampfpilot einer nicht genau verorteten Luftwaffe – es kann sich um jedweden Krieg handeln – erkennt bei einem Einsatz, dass sein Abschussziel eine Schule ist, er verweigert den Befehl, dreht mit der Maschine ab, um die Bombe über dem Meer abzuwerfen. Jahrzehnte später stellen zwei Künstler*innen – unabhängig voneinander– auf der Biennale di Venezia – Werke...
Auf der Bühne wirkt sie oft, als spreche sie widerwillig gegen die Sätze an, die sich in ihrem Mund formen, und auch im Gespräch über ihre Arbeit kann Sandra Hüller schnell einen bemerkenswert bockigen Ton anschlagen. «Eine direkte Erzählform hat uns an der Stelle nicht interessiert und wird dem Stück nicht gerecht – Kleist lässt sich nicht vereinfachen», antwortet...
