Angst vor Frauen
«Eine Irre bist du, eine Trudnerin», brüllt ein ungnädig-frustrierter Schwiegersohn (Jeremias Beckford) über die Studiobühnen-Rampe des Bamberger ETA Hoffmann Theaters. Und es dauert nicht lange, bis er die Adressatin der Beschimpfung – seine verhasste Schwiegermutter, die in Gestalt der Schauspielerin Martina Dähne zu diesem Zeitpunkt noch unerschrocken-tough neben ihm steht – tatsächlich los ist: Die Frau wird verhaftet und mehrfach so brutal gefoltert, dass sie schließlich stirbt.
Es handelt sich um Lena Pantzerin, das erste Opfer der Hexenverfolgungen 1612 im oberfränkischen Kronach.
Amanda Lasker-Berlin hat sich für ihr Stück «Jahre ohne Sommer» tief in die historischen Akten hineingegraben, die Bayern im Allgemeinen und Bamberg im Besonderen als ein unrühmliches Zentrum der Hexenverfolgungen ausweisen: Die Stadt hatte das Pech, mit dem Weih -bischof Friedrich Förner – auf der Bühne angemessen scharfmacherisch dargestellt von Eric Wehlan – einen der unerbittlichsten Hardliner dieser finsteren Epoche zu ihren einflussreichen Bewohnern zu zählen.
Lasker-Berlin – selbst Uraufführungsregisseurin ihres Stückes – zeichnet auf Jodie Fox’ Bühne, die mit unzähligen Regalen voller ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Christine Wahl
Niklaus Helbling, ein Sohn der gebildeten Zürcher Gesellschaft, hatte Ende der neunziger Jahre keinen Bock mehr, Dramaturg an einem städtischen Haus zu sein. Er verließ das Hamburger Thalia Theater unter Jürgen Flimm und gründete als Neu-Regisseur die freie Gruppe Mass & Fieber. Mit dabei vor allem Freunde, weil die Arbeit sollte wieder Bock machen: Dirk Thiele für...
Von der Decke tropft es. Erst bemerkt das niemand, alle haben zu viel zu tun – damit, Klebebandrollen von rechts nach links zu tragen, beispielsweise. Oder mit dem Verlegen eines orangefarbenen Verlängerungskabels. Was Erwachsene eben so machen, tagein, tagaus. Die lecke Decke kann diese geruhsame Geschäftigkeit zunächst kaum erschüttern, die Performerinnen schauen...
Sie erscheint von Anfang an brüchig, die Selbstherrlichkeit, mit der Thomas Schmauser als «Baumeister Solness» noch vor dem Eisernen Vorhang seine Erfolge bilanziert – mit Worten, die Yves Saint Laurent, ein anderer großer, zeitlebens von Depressionen und Selbstzweifeln geplagter Kreativer auf seiner Abschieds-Pressekonferenz wählte: «Jeder Mensch braucht seine...
