Angewandte Kulturtheorie: Die Sorge um das Offene

Transkulturelle Momente der Künste und die kulturpolitische Dringlichkeit, diese zu wahren

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Die Thesen des kamerunischen Hist­o­rikers und Politikwissenschaftlers Achille Mbembe haben Hochkonjunktur. Seine politischen Visionen einer Weltgemeinschaft, die sich kolonialer Strukturen entledigt hat, faszinieren. Sie formulieren nicht nur entscheidende Ideen für den gesellschaftspolitischen Diskurs, sondern teilen indirekt den Künsten eine Schlüsselrolle zu, wie es für die Politikwissenschaften eher selten ist.

Mbembe fordert die Menschheit dazu auf, sich um das Offene zu sorgen und Strategien der Differenzsetzung «Prozesse des Entähnelns» vor­zuziehen: «Die Frage der universellen Gemeinschaft stellt sich daher per definitionem in Begriffen des Im-Offenen-Wohnens, der Sorge um das Offene – was etwas ganz anderes ist als ein Vorgehen, das in erster Linie darauf zielt, sich abzuschließen und eingeschlossen in dem zu bleiben, was gewissermaßen mit uns verwandt, was uns ähnlich ist. Diese Form der Entähnlichung ist das genaue Gegenteil der Differenz.» 

Künste und Ästhetiken bergen weltweit immer schon das Potenzial, Traditionen und Muster zu entähneln, indem sie neu verhandelt, verändert, verwandelt und verknüpft werden. Die Freiheit und das vielschichtige Assoziationsvermögen ...

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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Julius Heinicke

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