Angewandte Kulturtheorie: Die Sorge um das Offene
Die Thesen des kamerunischen Historikers und Politikwissenschaftlers Achille Mbembe haben Hochkonjunktur. Seine politischen Visionen einer Weltgemeinschaft, die sich kolonialer Strukturen entledigt hat, faszinieren. Sie formulieren nicht nur entscheidende Ideen für den gesellschaftspolitischen Diskurs, sondern teilen indirekt den Künsten eine Schlüsselrolle zu, wie es für die Politikwissenschaften eher selten ist.
Mbembe fordert die Menschheit dazu auf, sich um das Offene zu sorgen und Strategien der Differenzsetzung «Prozesse des Entähnelns» vorzuziehen: «Die Frage der universellen Gemeinschaft stellt sich daher per definitionem in Begriffen des Im-Offenen-Wohnens, der Sorge um das Offene – was etwas ganz anderes ist als ein Vorgehen, das in erster Linie darauf zielt, sich abzuschließen und eingeschlossen in dem zu bleiben, was gewissermaßen mit uns verwandt, was uns ähnlich ist. Diese Form der Entähnlichung ist das genaue Gegenteil der Differenz.»
Künste und Ästhetiken bergen weltweit immer schon das Potenzial, Traditionen und Muster zu entähneln, indem sie neu verhandelt, verändert, verwandelt und verknüpft werden. Die Freiheit und das vielschichtige Assoziationsvermögen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Julius Heinicke
«Was ist Wahrheit?», fragte der römische Statthalter Pontius Pilatus den Delinquenten Jesus und blieb nicht, dessen Antwort abzuwarten, sondern ging ab und wusch seine Hände in Unschuld. Modernen Wahrheitstheoretikern gilt Pilatus mit dieser Aktion als Visionär. Denn wer wollte wohl die Antwort kennen? Wo doch Wahrheit im Sozialen wie im Naturwissenschaftlichen...
Ich habe so viel radikale Empathie», bricht es aus Andela heraus. Wäre es anders, wäre sie auch gar nicht ins neue Cloudworking-Team aufgenommen worden. Damit die Empathie auch wirklich radikal bleibt, lässt Chefin Claudia nicht nur sie, sondern auch Tenzin, Adrian, Jasmina und Jan immer wieder vorm grellen Schreibtischlampenlicht niederknien, damit sie...
Am Ende ist es eine runde Sache. Buchstäblich. Wieder und wieder zieht der wie Prometheus angekettete Faust mit langen Hörnern auf dem Kopf sisyphosgleich im Kreis durch die Metallarena mit zwei gigantischen Kreuzen – eins stehend, eins liegend. Auf dem hohen Kreuz thront ein blütenweißer Engel mit riesigen Flügeln, während auf dem anderen Mephisto in weißer Maske...
