Am Rande der Denkfaulheit
Von dieser Seite droht nichts Neues. Das Festival von Avignon in seiner 73. Ausgabe zeigt geradezu exemplarisch das Debakel einer arrivierten, institutionell etablierten, selbstgefälligen Linken in Frankreich. «Il faut réinventer la gauche», werden die soziologischen Revolutionäre um Didier Eribon, Edouard Louis, Geoffroy de Lagasnerie nicht müde zu rufen: Man muss die Linke neu erfinden. Wenn Avignon davon ein Bild abgibt, dann haben sie recht.
Festival der Selbstgenügsamkeit
Avignon, das Theaterfestival, das stets im Brennpunkt des kulturpolitischen und ästhetischen Streitens stand: Noch nicht einmal den Hauch einer Debatte hat es heuer hervorgebracht. Unter der künstlerischen Leitung von Olivier Py, der ihm seit 2014 und noch bis 2022 vorsteht, hat sich das Festival d’Avignon bei gleichzeitiger Beteuerung des Gegenteils vollkommen abgekapselt von der Welt draußen, von der Kunst draußen. Eingesponnen ins Autoreferentielle. Avignon 2019 war ein Festival der Selbstgenügsamkeit.
Wie sich ein Stoff von einiger Relevanz in fadem L’art pour l’art aufheben lässt, zeigte schon die Eröffnungspremiere. Pascal Ramberts Vorkriegsfreske «Architecture» bezieht sich einerseits auf ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Festivals, Seite 18
von Andreas Klaeui
Die Radikalisierung des Pferdehändlers Hans Kohlhase und seine Hinrichtung in Berlin am 22. März 1540 fielen in eine Zeit, in der das mittelalterliche Fehderecht noch virulent war. Privatrechtliche Ansprüche, so die Annahme, könne man mit Gewalt erzwingen. Auch knapp dreihundert Jahre später, als Heinrich von Kleist «Michael Kohlhaas» schrieb, waren die Zeiten in...
Aufführungen
Schwere Stoffe im Oktober: Mit Michel Houellebecqs «Die Möglichkeit einer Insel» blickt Robert Borgmann am Berliner Ensemble ins fünfte Jahrtausend einer verstrahlten Menschheit. Amir Reza Koohestani lässt am Deutschen Theater Heiner Müllers Bogenkrieger Philoktet in den Krieg zurückholen.
Claudia Bauer widmet sich in der Berliner Volksbühne Heiner...
Die Stadt ist ein Gefängnis, hatte man mir erklärt, oder: Das Gefängnis ist eine Stadt. Sie heißt Palmasola, und das Theaterstück heißt auch so.
Der Zug, in den ich am Anfang dieser Reise steige, fährt nach Mailand – an jenen Ort also, dessen Namen ich das erste Mal im Heidi-Anime hörte und für den Namen eines tatsächlichen Staates hielt, in dem die Blumen...
