Ackerbohnen mit Majoran
»Ralph Peng war schon vorgeburtlich eine erstaunliche Erscheinung: Wie auf dem Ultraschall deutlich sichtbar, hat der kleine Ralph als Embryo seine Zwillingsschwester erwürgt, weil sie sich im Geburtskanal vordrängeln wollte. So beginnt ein Leben aus solidem Wettbewerbsgeist in einem gesunden Ego, das gerne über Fairness nachdenkt. Der kleine Racker entpuppt sich auch sonst als frühreif und talentiert.
Er neigt zur Gewalttätigkeit und verstümmelt seinen Geigenlehrer, vergeht sich an der Babysitterin oder schafft sich als erstes größeres Spielzeug ein Maschinengewehr an, spuckt gerne nationalistische Töne, deutet sich die Wirklichkeit wie sie ihm passt, glänzt mit fünf als Reality-TV-Star mit einer sexistischen Model-Show, in der er seine Mutter zur Miss Universum wählen lässt, schließlich erschossen wird und trotzdem weiterlebt, bis er auf einen gefährlich flimmernden roten Knopf drückt. So weit jedenfalls die Kernhandlung. Falls es noch eines Hinweises bedarf: Es handelt sich bei Marius von Mayenburgs neuem Stück «Peng» um eine Trump-Parodie, die den Donald in die Knie zwingen wird.
All das – und jetzt kommen wir von der Individual- zur Gesellschaftskritik – wird von seinen ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Neue Stücke, Seite 32
von Franz Wille
Die Personen
Wir. Wer immer und wie viele wir auch sind.
Raging furious, the flames of desire
Ran through heaven and earth, living flames,
Intelligent, organized, armed
With destruction and plagues. In the midst
The Eternal Prophet, bound in a chain,
Compelled to watch Urizen’s shadow.
William Blake, The Book of Los
Ich schlafe nicht mehr. Ich schlafe seit Tagen nicht...
Eigentlich hatte sich die Teenagerin Emma für ein romantisches Date in der Eissporthalle präpariert. Nur leider fällt dem Date-Partner, «Peter aus der Zehnten», nichts Besseres ein, als abendfüllend auf die Leichenberge zu verweisen, die noch immer irgendwo unter dem Eis liegen: späte Opfer des Ceausescu-Regimes, die während der Aufstände Ende 1989 vom rumänischen...
Ganz zum Schluss erwischt er einen dann doch noch, der Moment emotionaler Überwältigung. Ein Distanzverlust, der die Kontrolle der körperlichen Reaktionen vorübergehend dem vegetativen Nervensystem überlässt – Gänsehaut. Denn auf der Bühne ereignet sich ein Temperatursturz: Der gerade noch ausgesprochen lebendige Chor steht jetzt still in fahlem Licht, die Menschen...
