Ach, Mensch
So kann die Zeitgeschichte über ein Stück hinwegdonnern. Am 19. Februar 2022, bei der Uraufführung in Münster, waren all die augenzwinkernden Survival-Tipps, die das Stück «Über Leben» wie ein Refrain strukturieren, noch gleichermaßen abstrus. Wohlstandsmenschen brauchen schlicht keine Hinweise zum Überlebenskampf in fließenden Gewässern, bei Bärenangriffen, im Treibsand oder «im Krieg».
Wenn jetzt in der nächsten Inszenierung und nach über einem guten Dreivierteljahr Krieg in der Ukraine das Dortmunder Ensemble gutgelaunte Tipps herausposaunt wie «suchen Sie ein starkes, unterkellertes Gebäude als Schutzraum» und «sprechen Sie nicht über Politik», erstarrt das Publikum.
Allerdings nur für einen Augenblick, mehr Luft lässt die Sinnesüberforderungs-Inszenierung von Ruven Bircks nicht. In einem bunkerartigen Diorama mit Gaze-Überzug spielen Sarah Quarshie, Nika Miškovic, Alexander Darkow und Ekkehard Freye im schnellen Wechsel mal Wissenschaftler:innen, mal Außerirdische, apokalyptische Reiter:innen, Mitglieder einer Weltuntergangs-Sekte, «das Internet als Chor», Überlebende eines Flugzeugabsturzes oder schlicht Menschlein, die mal wieder gar nichts raffen. Daniela Sülwold filmt ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Cornelia Fiedler
Kann man den Holocaust darstellen? Muss man es nicht sogar, wenn fast alle Zeitzeugen verstorben sind? Vielleicht auch, um Filmen wie «Schind -lers Liste» von Steven Spielberg nicht das Narrativ zu überlassen? Der steckte übrigens in der Postproduktion von «Jurassic Parc», als er seinen Hollywood-Blockbuster über den Holocaust drehte. Darüber plaudert das Filmteam...
Kirill Serebrennikovs Hamburger In - szenierung «Der Wij» ist nach der Erzählung des in der Ukraine geborenen Schriftstellers Nikolai Gogol benannt; gleichwohl speisen viele aktuelle Quellen des russischen Kriegs in der Ukraine die Textfassung, die der russische Regisseur gemeinsam mit dem ukrainischen Autor Bohdan Pankrukhin geschrieben hat. Ensemble und...
So eine Erscheinung kommt dem Pfarrer nicht alle Tage unter. «Ich möchte mich als Heilige Maria bewerben», verkündet die Frau dem stillen Herrn am äußersten Bühnenrand. Pointierte Karriereplanung, keine Frage. Allerdings handelt es sich um eine Bewerbung von flatterhafter Qualität. Die Enddreißigerin stöckelt denkbar unkeusch herbei, ihr Heiligenschein leuchtet...
