Zuschauen, wie die Zeit vergeht
Vor sechs Jahren, als der Raum von Johannes Schütz zu Goschs Inszenierung des «Käthchen von Heilbronn» am Düsseldorfer Schauspielhaus zu sehen war, waren die Kommentare einiger älterer Zuschauer zu Beginn der Premiere nicht zu überhören: Bei Gründgens hätte es eine so leere Bühne nicht gegeben.
Was Gründgens zur Bühne von Schütz gesagt hätte, lässt sich nicht mehr eruieren, aber soweit sich diese Zuschauer im Verlaufe der Vorstellung nicht doch überzeugen ließen, blieben sie mit ihrem Protest in der Minderheit: Jürgen Gosch, Johannes Schütz und das Düsseldorfer Ensemble stießen mit der Inszenierung auf ziemlich einhellige Begeisterung. Es war der Beginn einer sehr erfolgreichen Serie von Arbeiten dieses Teams in Düsseldorf, die auch bildnerisch einen Stil formulierten, der sich bis heute zunehmend radikalisiert.
Der leere Raum
Beschreibungen der Bühnenbilder von Johannes Schütz beginnen oft mit der Aufzählung dessen, was alles nicht da ist: Keine Prospekte, keine Kulisse im «Käthchen», kein Garten, kein Gefängnis, kein Schlachtfeld im «Prinz von Homburg», keine Sommermöbel, kein Samowar, kein Birkenwald in Gorkis «Sommergästen».
Stattdessen entwirft Johannes Schütz kluge ...
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Theater heute August/September 2006
Rubrik: Die Kunst der Bühne, Seite 34
von Rita Thiele
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