Zurückgeschickt

Die Leipziger Euro-Scene zeigte Theater aus dem Kosovo – zum letzten Mal mit Unterstützung des Hauptsponsors BMW

Theater heute - Logo

Es ist grotesk. Auf der Bühne sitzt eine überdimensionierte fette Puppe, gebaut von Priska Praxmarer. Ganz in weiß, nackt, mit aufgenähten Brustwarzen stellt sie den Alkoholiker Wolfgang vor, der zusammen mit zwei anderen Straftätern beim Pfarrer einquartiert ist. Neben Monsterpuppe Wolfgang streifen noch die dünne Hemdchenpuppe Hashem und der Neonazi Gunther, bei dem ein Streifen schwarzes Klebeband als Markierung reicht, über die Bühne – kongenial gespielt von Armin Kopp und Phillippe Nauer.

Sie hauchen nicht nur den Puppen ihr Bühnenleben ein, sondern machen aus aus dem tragisch-dramatischen Filmstoff von «Adams Äpfel» in der Inszenierung von Dirk Vittinghoff einen ebenso berührenden wie furiosen Ritt durch Klischees und Vorurteile.

«Jenseits von Gut und Böse» feierte seine Deutschlandpremiere auf der 22. Leipziger Euro-Scene. Es ist ein Stück voller Brüche und intelligent konterkarierter Behauptungen der Berner Kompagnie Kopp/Nauer/Vittinghoff. Mit spielerischer Leichtigkeit kitzeln Kopp und Bauer die emotionalen Punkte heraus, um bloß einen Wimpernschlag später alles zu hinterfragen, zu kommentieren und zu relativieren. Leitmotiv ist, frei nach Nietzsche, die philosophische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Gehen oder bleiben?

Wir hätten uns schon geehrt gefühlt, wenn man uns wenigstens mit Informationen auf dem Laufenden gehalten hätte. Dann hätten wir zumindest gewusst, dass wir keinerlei Unterstützung in diesem Land zu erwarten haben», konstatierte der Regisseur Viktor Bodó  in einer Videobotschaft der Vereinigung der Unabhängigen Darstellenden Künstler in Ungarn. Der Aufruf, der sich...

Gefährdete Egos

Die hohe unnatürliche Sterberate unter Shakespeares englischen Renaissance-Königen ist historisch schnell erklärt. Sie waren notorisch wackelige Machthaber, die sich jenseits der eigenen Ritterschar weder auf ein großes stehendes Heer noch auf nennenswerte Polizeitruppen oder eine entwickelte Bürokratie stützen konnten. Eine kleine Verschwörung untreuer Lords, ein...

Selbstfolter

Nicht mit einer Verhaftung, mit einem Experiment beginnt Kafkas Roman auf der Bühne der Bochumer Kammerspiele, mit einem Experiment der Selbstfolterung. Josef K. setzt sich freiwillig der euphemistisch Waterboarding genannten Foltermethode simulierten Ertrinkens aus. Freiwillig geht er am Ende wieder auf das Folterbrett und schnallt sich fest, wie der Offizier am...