Zurichtungen in die Ordnung

Im Schauspiel Leipzig lässt Claudia Bauer mit Tennessee Williams den Rassismus blühen, und Philipp Preuss dreht Kleists «Prinz Friedrich von Homburg» schwindelig

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Astronomie gehört nicht unbedingt zu den Stärken des abgehalfterten Filmstars Alexandra del Lago, die sich aus Angst vor Alter und Abstieg gern auf den «Mond, einen toten Planeten» zurückgezogen hätte.

Aber Regisseurin Claudia Bauer hat trotzdem verstanden, was gemeint ist: Gleich zu Beginn hängen vier vereinzelte weiße Ballons im Bühnenhimmel, darauf projiziert jeweils kreisrund verbogene Köpfe, die egozentrische Programmsätze vor sich hin brabbeln: der schwarze Hoteldiener Fly, der gescheiterte Möchtegern-Schauspieler Chance, der rassistische Kleinstadt-Tycoon «Boss» Finley und natürlich Alexandra del Lago, eine ausgebrannte Hollywood-Ruine, randvoll mit Alkohol, Tabletten und Zynismus. 

Wer immer denkt, er wohne heutzutage dem Niedergang der politischen oder gesellschaft­lichen Kultur der Vereinigten Staaten von Amerika bei, diesem Vorzeigeland der Demokratie, dem kann geholfen werden. Ein Blick in die Stücke von Tennessee Williams genügt: Früher, genauer Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, war es dort auch nicht besser, im Gegenteil. «Süßer Vogel Jugend» von 1959  ist ein dramatisches Prachtexemplar westlicher Desillusionierung, das die gängigen Mythen nicht nur des ...

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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille

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