Zum Totlachen
Irgendwann im fortgeschrittenen Stadium von «Der Geizige» rollt Harpagon einen staubigen und schon ziemlich abgetretenen Perserteppich in Bert Neumanns Jahrmarktsguckkastenbühne aus. Stammgäste kapieren sofort, dass die aggressive Seitenlage, in die Martin Wuttke sich darauf wirft, nicht ohne Häme den Kollegen Wolfram Koch in der «(S)panischen Fliege» zitiert. Dort hatte Ende der letzten Spielzeit Regisseur Herbert Fritsch einen Perserteppich zur bühnenfüllenden Skulptur erhoben und mit einem daruntergeschobenen Trampolin Lachsalven in Serie produziert.
Kein Zweifel: Am Rosa-Luxemburg-Platz schwelt ein Geschmacksstreit darüber, wie die richtige Komödie auszusehen hat. Natürlich beansprucht Frank Castorf, der anno 1993 Heiner Müllers «Die Schlacht» sowie Wilhelm Jacobs und Carl Laufs Schwank mit Schlangenslapstick (Herbert Fritsch!) und Kartoffelsalat (Henry Hübchen!) zur legendär gewordenen «Pension Schöller» verzahnte, die Deutungshoheit über das Genre. Mit einigen selten gespielten Fundstücken hat der Intendant in den letzten Jahren ans alte Erfolgsrezept anzuschließen versucht – 2008 ziemlich erfolgreich mit Alexandre Dumas’ «Kean» (in Kombination mit Müllers «Hamletmaschine»), ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Eva Behrendt
In Salzburg beginnt ein neues Team. Schauspiel-Chef Sven-Eric Bechtolf geht die neue Aufgabe feiertäglich an: «Festspiele sind die Sonntage des Theaters, wenn ihr Programm exemplarisch ist.» Her mit dem Beispielhaften!!
In London werden im Sommer nicht nur Medaillen vergeben, auch die Kunst kommt nicht zu kurz: Impressionen vom Olympia-Kulturprogramm.
Vor den...
Wer noch vor Ende des letzten Jahrtausends Geisteswissenschaften studierte, hielt dieses gigantische, absatzlose Buch gewiss in den Händen. Ob als Seminarthema, in intensiver Einzelstudie oder studentischer Arbeitsgruppe – «Die Ästhetik des Widerstands» war Kultbuch und Pflichtlektüre. Denn hier wurde der Widerstand der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus...
Ein sonniger Samstagabend im Juni: Friedlich liegt es da, das Occupy-Camp zu Füßen der Frankfurter Banktürme. Um den Zeltplatz herum: ein «Zaun» aus Plakaten zwischen Wut und Enttäuschung. Dazwischen die Ankündigung eines Kulturwochenendes. An einem Zelt, deutlich kleiner geschrieben, eine Liste: «Wir brauchen: Zelte, Schlafsäcke, veganes Essen.» Zwischen den...
