«Der Vogelhändler». Foto: Jerzy Bin
In weiter Ferne so nah
So etwas kann natürlich auch gehörig schief gehen. Wenn bei angestrengter Gutmenschlichkeit nur noch die pure Ambition zu erkennen ist. Wenn die Bühne zum Infostand wird und das gute Gewissen zum Regiekonzept. Wenn man Hilfsbereitschaft mit Folklore garniert und am Ende multikulturelle Friedens- und Freudentänze aufführt. Wenn man Schwarz-Weiß-Malerei betreibt und auch noch stolz darauf ist.
In Konstanz hat das Theater die Kurve gerade noch einmal gekriegt. Gespielt wird hier mit «Welt 3.
0 – Maschinerie Hilfe» ein Stück über Entwicklungshilfe, das sehr nah an den Fakten von den fatalen Missverständnissen erzählt, die das Verhältnis zwischen der westlichen und der afrikanischen Welt bestimmen. Die Unterstützung unterentwickelter Regionen ist längst zu einem nach ganz brutalen kapitalistischen Regeln funktionierenden Gewerbe geworden: Um den Menschen, der auf konkrete Hilfe angewiesen ist, geht es nicht mehr, stattdessen um Millionen-Transfers, um die Interessen von Konzernen und um undurchsichtige politische Absichten. Und der Jubel über die großartige Spendenbereitschaft westlicher Nationen kommt ohne Meldungen, dass Hilfsgelder in dunklen Kanälen versickern, gar nicht mehr aus.
K ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Magazin: Afrika, Seite 67
von Bernd Noack
Der Feldforscher Alfred Loth, den Matthias Redlhammer redlich spielt, weder im positiven noch im negativen Sinn besonders überschwänglich – dieser also ziemlich langweilige Loth trifft im Partyzelt, wo man Champagner und Austern meist im Stehen verzehrt und Abfälle auf den Boden kippt, auf eine bunt gemischte, kaputte Truppe: Da wäre der Ingenieur Hoffmann,...
Irgendwann im fortgeschrittenen Stadium von «Der Geizige» rollt Harpagon einen staubigen und schon ziemlich abgetretenen Perserteppich in Bert Neumanns Jahrmarktsguckkastenbühne aus. Stammgäste kapieren sofort, dass die aggressive Seitenlage, in die Martin Wuttke sich darauf wirft, nicht ohne Häme den Kollegen Wolfram Koch in der «(S)panischen Fliege» zitiert. Dort...
Erst vor Kurzem beschäftigte das Stuttgarter Staatsschauspiel sich en passant mit Albert Camus’ «Die Gerechten» (1949). Im nahe gelegenen Tübingen folgte jetzt mit Jean-Paul Sartres «Die schmutzigen Hände» (1948) das nächste Stück rund um die Frage, ob der politische Mord zur Durchsetzung hehrer Ideale gerechtfertigt sei. In beiden Fällen greift ein mit linken...
