Den Geist verneint

Goethe «Faust I und II»

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Der Studierzimmermonolog aus Goethes «Faust» braucht kein gotisches Gewölbe mehr, um jenes Gruftgefühl zu vermitteln, das sich einem Doktor der Philosophie, Juristerei, Medizin und leider auch der Theologie nach Jahr einen der intellektuellen Überzüchtung wie Blei aufs Gemüt legen kann. Heute stellt man sich schlicht Studenten vor, wie sie sich in breiten Unibibliotheks-Fensterfronten den lieben langen Tag selbst bespiegeln und befragen, was bloß, was, die Bologna-Halbgelehrtenwelt im Innersten zusammenhält.

Das Theater Freiburg hat sechs Exemplare dieser Bildungsspezies zusammen mit Goethes beiden «Faust»-Teilen in einen gläsernen Käfig ge­sperrt und geschaut, was das Experiment bringt. Und das ist weniger, als Regisseur Marcus Lobbes gewollt haben kann.

Eingangs kriechen die schaumstoffgepolsterten Akteure (Johanna Eiworth, Charlotte Müller, Marie Bonnet, Frank Albrecht, Martin Weigel, Mathias Lodd) durch einen Bodenspalt in den hängenden Glaswürfel, ringeln sich bücherwürmergleich am Boden, bilden einen bunten «Faust»-Zitatehaufen, recken mithin den Kopf aus diesem Meer des Irrtums, bleiben aber meilenweit davon entfernt, Individuum oder Figur zu werden, ein Faust, Mephisto, eine ...

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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Chronik: Freiburg Theater, Seite 52
von Stephan Reuter

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