Schwester Courage
Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an Sophie Scholl, ihrem Bruder Hans und Christoph Probst, dem jungen Vater dreier Kinder, ein niederträchtiges Exempel statuiert.
Spätestens nach diesem Schrei, den Julia Jentsch in der Filmrolle der Sophie hervorstößt, hebt im abgeklärten Publikum der Pressevorführung ein heftiges Schneuzen und Nasehochziehen an. Es schwillt an, wenn Sophie ein letztes Mal ihre alten Eltern sieht («Ich bin stolz auf euch», stammelt der Vater, «Denk an Jesus», bittet die Mutter), der Pfarrer segnend die Hand über ihren braunen Seitenscheitel hebt und sie schließlich Freund Christoph (Florian Stetter) und den bis zuletzt wachen, leuchtenden Bruder Hans (Fabian Hinrichs) in die Arme schließt, während ein sattes Streichorchester über dem Trio zusammenseufzt. Dann bleibt die Leinwand schwarz, nur Ton und Tränen laufen noch ein Weilchen weiter. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vielleicht war ja mal wieder Jean Baudrillard dran schuld. Oder Paul Virilio oder Guy Debord oder einer von denen. Der Aufstand der Zeichen, die Geschichte als Retro-Szenario, rasender Stillstand, you name it you got it. Wahrscheinlicher aber ist es einfach die Zeit, Nine-Eleven, Guantanamo, der genetische Fingerabdruck. Ein Unbehagen gegenüber der Welt und die...
Man müsse tot sein, heißt es, wenn man in Wien eine gute Nachred’ haben will. Manchmal genügt es auch, wenn man todkrank ist. Als der von einem Krebsleiden schwer gezeichnete Hans Gratzer bei der Nestroy-Gala vergangenen November auf der Wiener Varietébühne Ronacher für sein Lebenswerk geehrt wurde, spendete ihm die versammelte Wiener Theatergesellschaft...
Von außen sieht das Babelsberger Studiogelände aus wie eine Strumpfhosenfabrik. Nur dass vor den Werkstoren immer eine Traube pubertierender Autogrammjäger auf ihre Serienstars wartet. In den zwei klimatisierten Bürokomplexen der «Grundy Ufa» arbeiten 140 Mitarbeiter von Montag bis Freitag an der täglichen Fernsehserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten». Die wenigsten...
