Schwester Courage

Marc Rothemund erzählt «Sophie Scholl – Die letzten Tage» als Heiligenlegende – mit Julia Jentsch in der Titelrolle

Theater heute - Logo

Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an Sophie Scholl, ihrem Bruder Hans und Christoph Probst, dem jungen Vater dreier Kinder, ein niederträchtiges Exempel statuiert.

Spätestens nach diesem Schrei, den Julia Jentsch in der Filmrolle der Sophie hervorstößt, hebt im abgeklärten Publikum der Pressevorführung ein heftiges Schneuzen und Nasehochziehen an. Es schwillt an, wenn Sophie ein letztes Mal ihre alten Eltern sieht («Ich bin stolz auf euch», stammelt der Vater, «Denk an Jesus», bittet die Mutter), der Pfarrer segnend die Hand über ihren braunen Seitenscheitel hebt und sie schließlich Freund Christoph (Florian Stetter) und den bis zuletzt wachen, leuchtenden Bruder Hans (Fabian Hinrichs) in die Arme schließt, während ein sattes Streichorchester über dem Trio zusammenseufzt. Dann bleibt die Leinwand schwarz, nur Ton und Tränen laufen noch ein Weilchen weiter. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 62
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus der Breite des Raums

In der Berliner Uraufführung von «3 von 5 Millionen» (vgl. TH 2/05) wartete das Regiependant des Autors Fritz Kater, Armin Petras, im Falle des Bacon-Monologs mit einem Schauspieler im Kostüm der Biene Maja auf. In Mannheim, wo einen Tag später die zweite Inszenierung folgte, versucht man, der Lüge der Kunst mit gespieltem Realismus nahe zu kommen. Reinhard...

Unter Erwählten

Folgende kleine Geschichte: Im Jahre 1908 fiel ein Meteorit aus Eis (Ljod) auf Sibirien. Ein blonder und blauäugiger Russe fand ihn, das seltsame Eis erweckte sein verhärtetes Herz, und ihm wurde ganz wohl dabei. Ein klarer Fall von Erweckung eines Auserwählten. Mit Hilfe eines Stückchens Ljod konnte er außerdem erkennen, welche Menschen außer ihm noch erwählt...

Dea Loher Über die Berge gehen

Sie war zurückgekehrt in das Haus in den Bergen. Auf der Südseite hatte man das weite Panorama des Steinernen Meeres vor sich. An klaren Tagen konnte man die Spitze des Watzmannvaters erkennen.

Der Alte hatte sie vom Flughafen abgeholt und in seinem Jeep heraufgebracht. Sie mußte sich hinten auf die Ladefläche setzen, weil der Beifahrersitz herausmontiert war. Der...