Eine Blackbox voll mit Leben

Am Anfang waren Ungunst­räume und ein Geflügelzüchter. Helgard Haug, Stefan Kaegi, Daniel Wetzel und zunächst auch Bernd Ernst suchten und fanden sich in der hessischen Provinz, wurden das Regieteam Rimini Protokoll und entwickelten ein Theater, das «Experten des Alltags» in Szene setzt

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Ein Mann kommt auf die Bühne, projiziert ein paar Bilder von Hühnern. Redet von Bodenhaltung. Prinzipielle Überlegungen zu Futter, Ungeziefervermeidung, Schlachtung. Die Zuschauer ratlos oder amüsiert, drei, vier verärgert. Nach einstündigem Diavortrag dann Zeit für Fragen; Fragen zur Geflügelhaltung und Fragen zur Repräsentation im Theater.

Aber weiß der Mann auf der Probebühne des Gießener Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft wirklich, dass alle hier etwas ganz anderes erwartet haben, eine echte Performance eben und keinen echten Menschen? Und ist das Publikum sich sicher, dass Herr Heller ein solcher ist? Ein Experte für Geflügelhaltung und nicht für Schauspiel?

«Peter Heller spricht über Geflügelzucht» aus dem Jahr 1997 bietet sich an, wenn man nach einer Urszene sucht für das Theater von Rimini Protokoll. Die Idee war entstanden in einer Gießener Studentenkneipe, bei Bier, Schnitzel und in größerer Runde. Den konkreten Geflügelzüchter aber hatte Stefan Kaegi in petto, der kurz zuvor von der Züricher Kunstschule F+F in die hessische Kleinstadt gekommen war. Eigentlich nur, um für ein halbes Jahr zu schauen, ob es etwas zu lernen gäbe an dem von Andrzej Wirth 1982 ...

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Theater heute November 2007
Rubrik: Experten des Alltags, Seite 4
von Florian Malzacher

Vergriffen
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