Zeitspiegel

Der Sammelband «Umschlagplätze der Kritik» vereint kulturkritische Schlüsseltexte von Herbert Ihering aus drei politischen Systemen

Ansichten eines Kritikers: Herbert Ihering (1888-1977) gehörte zu den wichtigsten Theaterkritikern in der Weimarer Republik. Dabei war er mehr als ein Schöngeist mit Schreibe, pochte auf die gesellschaftliche Funktion der dramatischen Kunst und mischte sich kultur­politisch ein. Nun liegt eine Edition seiner verstreuten Bemerkungen über Kritik und Kultur, Politik und Theater vor – ein Projekt des Leip­ziger Instituts für Theaterwissenschaft.



Der Sammelband präsentiert Beiträge aus den Jahren 1930 bis 1964, die keine reinen Besprechungen von Aufführungen sind, sondern tiefere Überlegungen des kritischen Intellektuellen zu Kunst und Gesellschaft. Dokumente aus zwei Umbruchszeiten geraten dabei in den Fokus: die «vor 1933» und die «nach 1945».


    Geschichte und mehr

Im heutigen Springe bei Hannover geboren, schrieb Ihering ab 1909 Theaterrezensionen und stieg allmählich zu einem bedeutenden Kritiker mit Basis in Berlin auf. Er setzte sich unter anderem dafür ein, dass Bertolt Brecht 1922 den Kleist-Preis erhielt. In Nazideutschland konnte der Linksliberale nur sehr bedingt journalistisch arbeiten, beschränkte sich auf Porträts und wurde schließlich Dramaturg am Wiener Burgtheater. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Tobias Prüwer

Weitere Beiträge
Der fremde Blick

Die Idee war folgende: Wäre es im Zeichen interkulturellen Engagements nicht nützlich, das deutsche Nationaldrama schlechthin, Goethes «Faust», und zwar selbstverständlich den ganzen, einmal dem prüfenden und forschenden Blick eines Nichtdeutschen und obendrein eines Nichtchristen auszusetzen, der in dem maßlosen Werk vielleicht etwas anderes entdeckt als die...

Hallo, erogene Zone!

Im Verlauf von Volker Löschs gewohnt freier Wedekind-Adaption «Lulu – Die Nuttenrepublik» an der Berliner Schaubühne ertappt man sich bei dem kuriosen Gedanken, beruflich womöglich aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Oder, koketter formuliert, sich selbst als Pferdchen ins falsche Rennen geschickt zu haben. Das älteste Gewerbe der Welt, aus dessen Nähkästchen ein...

Fades Fest

Ohne christliche Fest- und Feiertage wäre die Welt friedlicher. Eine schmerzliche Erkenntnis, aber der fränkische Bühnenautor Fitzgerald Kusz zeigt mit seinem neuen Stück «Lametta» einmal mehr, dass es gerade dann, wenn es besinnlich und kontemplativ werden sollte, meist eher besoffen und explosiv zugeht. Die Familie, jener Hort der Gemütlichkeit, wird zum...