X money for x Blut
Es beginnt so harmlos, ein Strandidyll: Da aalt sich einer im Liegestuhl, ein Krönchen auf dem Kopf. Den devoten Eifer zweier Penner löhnt er mit einem Bier, und der wonnige Blick auf sanfte Meereswogen ist höchstes Lebensglück. Sewan Latchinian, seit Beginn der Spielzeit Intendant am Theater der Bergarbeiter im 24.
000-Seelen-Städtchen Senftenberg, hat für die Zuschauer, etwa hundert an der Zahl, steil ansteigende Traversen auf die Bühne bauen lassen, und sein Ausstatter Tobias Wartenberg gönnt ihnen den Blick auf eine runde Scheibe, die mit wechselndem Licht den Ablauf der Tageszeiten anzeigt, und aufs weite Meer – nichts als blaugrüne Tücher, über die Sitzreihen garniert. Heinz Klevenow, der Mann mit dem Krönchen, ist Manne Krüger, der Arbeitslose aus der Niederlausitz. Er hat das strahlend ansteckende Lächeln dessen, der mit sich und der Welt im Reinen ist. Frau und Kind und alle Strafbescheide hat er hinter sich im fernen Guben gelassen. Jetzt ist Langzeiturlaub angesagt am westlichsten Strand Europas, die Ortsbestimmung «Ost – Ende» zergeht auf der Zunge.
Doch Volker Brauns liebevoll exponierte Idylle gerät ins Wanken. Ein Container versperrt die herrliche Aussicht, von einer ...
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Im Tagebuch vom Dezember 1985 notiert Andrej Tarkowski – exakt ein Jahr vor seinem Tod –, dass er für eine Vorlesung in Stockholm vier Illustrationen von Filmszenen benötige: Buñuels «Los Olvidados» – der Traum mit dem Fleisch; Bergmans «Wilde Erdbeeren» – der Traum mit dem Sarg auf der Waldlichtung; Fellinis «Achteinhalb» – der freudianische Anfang im Tunnel;...
Premiere in Aalen, «Dilldap» am Sonntagnachmittag im Dezember, hin mit den Kindern, in die Märchenkomödie von Dorst und Ehler mit Igel, Schnecke, Perlhuhn und natürlich einem Riesen, mit vielen, vielen Rollen und Verkleidungen. Doch «Dilldapp» in Aalen war einfach Brentanos Märchen. Um, in und unter einem schön schief gezimmerten Kasperlehäuschen spielten sich...
Es war wie beinahe jedes Jahr. Als die siebenköpfige Jury des Theatertreffens Ende Februar nach eines langen Tages Diskussionen über ihre Favoriten aus 300 Inszenierungen landauf, landab erschöpft auf das «Tableau» der Einladungen blickte, sah sie: 2 x Berlin, 2 x Hamburg, 2 x Münchner Kammerspiele, 2 x Zürich, 1 x Wiener Burgtheater und, immerhin, 1 x Hannover....
